SPD-Mittelstandsexperte
SPD-Experte sieht Pleitewelle kommen

Der im Wahlkampfteam von Frank-Walter Steinmeier für den Mittelstand zuständige Harald Christ warnt vor zunehmenden Insolvenzen im zweiten Halbjahr. „Wenn die Situation sich nicht ändert, kann im dritten und vierten Quartal eine Pleitewelle auf uns zurollen, wie wir sie lange nicht gesehen haben“, sagte Christ mit dem Handelsblatt. Grund dafür sei die Kreditklemme.

Handelsblatt: Herr Christ, Sie sind im SPD-Wahlkampfteam zuständig für den Mittelstand und warnen vor einer Kreditklemme. Warum?

Christ: Mich interessieren nicht die Statistiken über die vergangenen Monate, sondern das, was auf uns zukommt. Ich sage, wir haben zumindest eine gespürte Kreditklemme. Viele ausländische Banken fallen völlig aus. Die Sparkassen und Volksbanken machen eine vorbildliche Arbeit, keine Frage. Insgesamt werden aber weniger Kredite vergeben – vor allem für Betriebsmittel. Obendrein verlangen die Banken höhere Sicherheiten.

Was befürchten Sie?

Dieses Problem ist enorm. Wenn die Situation sich nicht ändert, kann im dritten und vierten Quartal eine Pleitewelle auf uns zurollen, wie wir sie lange nicht gesehen haben.

Das heißt, es müsste noch vor der Wahl ein Rettungspaket her?

Das wäre gut. Aber dafür reicht die Zeit nicht mehr. Ich hätte mir einen Beschluss Anfang des Jahres gewünscht. Das hat Wirtschaftsminister zu Guttenberg aber verschlafen.

Und der Finanzminister!

Die Interessen des Mittelstandes sind im Wirtschaftsministerium angesiedelt. Zu Guttenberg hätte initiativ werden müssen.

Was, wenn die Banken jetzt nicht freiwillig mehr Kredite vergeben?

Dann muss der Staat aktiv werden, um den Blutkreislauf der deutschen Wirtschaft zu erhalten. Es darf nicht bei Diskussionen bleiben. Es muss Druck rein.

Wie denn im Wahlkampf?

Die Banken müssen ihrer Finanzmarktverantwortung nachkommen. Wenn dies nicht geschieht, sollte man die KfW in die Lage versetzen, mit Partnerbanken selbst Fördermittel auszureichen. Unabhängig von der Krise halte ich diese Konkurrenz zu den anderen Banken ohnehin für gut, weil wir auch in Zukunft immer wieder auf Abschwünge vorbereitet sein müssen. Derzeit ist es so: Die Banken verdienen im klassischen Mittelstandsgeschäft wieder ordentliche Margen. Deshalb reichen Sie Fördermittel der KfW nicht mehr gerne durch. Kredite werden für bis zu zwölf Prozent ausgereicht. Wenn ein Unternehmen in der Krise ist und dann so hohe Zinsen zahlen muss, dann hält es das nicht aus.

Sie wollen auch einen Ombudsmann als Moderator einsetzen. Mit ihm dürfte eine enorme Bürokratie entstehen.

Oft sprechen Mittelständler und Banker nicht dieselbe Sprache. Ich plädiere für Anlaufstellen in den Regionen. Auch so entstehen Arbeitsplätze. Das ist doch gut.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent
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