SPD
Nachhilfe beim Kinderknuddeln

Auf seiner Sommerreise durch Brandenburg beweist Außenminister Frank-Walter Steinmeier, warum der Zweikampf mit Kurt Beck um die Kanzlerkandidatur in der SPD für 2009 eigentlich schon längst entschieden sein müsste - zu seinen Gunsten. Aber: Will er den Job überhaupt?

WIESENBURG. Der Kandidat mit Kindern, abgelichtet auf grüner Wiese im spätsommerlichen Sonnenlicht: Das ist der Fotoklassiker eines jeden Wahlkampfmanagers, Kategorie: "der Kandidat als Mensch". Also schieben sie Kinder ins Bild, wo auch immer Frank-Walter Steinmeier auftaucht auf der Sommerreise durch seinen Wahlkreis in Brandenburg.

Auf "Gut Schmerwitz" in Wiesenburg haben drei kleine Jungs Sommeräpfel gepflückt für den deutschen Außenminister, und die Tochter des Gutsbesitzers wartet mit einem Strauß frischer Blumen auf der Wiese unter alten Linden. Steinmeier hockt sich neben die Jungs - Augenhöhe mit Kindern ist wichtig auf Fotos. Doch dann fällt ihm so recht gar nichts ein, was er denn nun plaudern soll. Also lächelt er hin zu Fotografen und Kameraleuten, die sich zur undurchdringlichen Mauer unter den alten Linden aufgereiht haben. Es dauert Minuten, bis jemand das Blumenmädchen endlich nah genug an Steinmeier heranschiebt und das Bild endlich stimmt.

Zum Glück klingelt da das Telefon eines Mitarbeiters. Norwegens Außenminister ist dran und ruft Steinmeier zurück zur Pflicht: Es gilt, die Kaukasus-Krise einzudämmen.

Wenn die Kinder nicht wären, dann wäre spätestens nach dieser Saison der Sommerreisen vollkommen und endgültig klar, dass nur Frank-Walter Steinmeier im Rennen sein kann um die Kanzlerkandidatur der Sozialdemokraten für die Bundestagswahl 2009. Der Außenminister ist beliebt beim Volk, SPD-Chef Kurt Beck dagegen weit abgeschlagen in jeder Umfrage, seit er von Linkspartei-Krise zu Ypsilanti-Schock taumelt und die SPD zwischen 20 und 24 Prozent der Wählerzustimmung festhängt.

Vergangene Woche, Chemnitz, Stadtbibliothek: Ebenfalls mit einem Riesentross von Fotografen und Kameraleuten erstürmt Beck die neue Kinderbücherei. Stolz zeigt Bibliothekarin Elke Beer ihm das kuschelige Lesezelt und die Märchenecke. Beck sieht ein Mädchen und zwei Jungen in Büchern blättern. "Könnt ihr mir vielleicht etwas vorlesen?" bittet Beck. Die achtjährige Lisa liest dem SPD-Chef vor aus "1001 Nacht", und endlich kommt Beck, der zuvor arg gehetzt wirkte bei all den Betriebsbesichtigungen und Stadtspaziergängen, zur Ruhe. "Ein bisschen beneiden wir Sie um diese Begegnung mit den Kindern", seufzt er wohlig. Die Bibliothekarin strahlt. Kinder kann Kurt Beck.

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