SPD-Parteichef kritisiert im Handelsblatt-Interview Merkel und Rüttgers
Beck: Ampel könnte „neues Denken" bringen

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck über die Zukunft der großen Koalition und mögliche Alternativen, gute und schlechte Finanzinvestoren, das unterkühlte Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokraten und die Gründe für die Ablehnung des Rüttgers-Vorschlags, das Arbeitslosengeld zu staffeln.

Handelsblatt: Herr Beck, vor zwei Jahren hat Franz Müntefering mit der Jagd auf die „Heuschrecken“ die Programmdiskussion der SPD begonnen. Jetzt unterstützt Ihr Wirtschaftspapier „eine aktive Private-Equity-Branche“. Haben Sie die Heuschrecken lieb gewonnen?

Beck: Auch Franz Müntefering hat damals ein ganzes Spektrum beschrieben – von Unternehmen einerseits, die in Betriebe investieren, um sie nach vorne zu bringen, und andererseits von solchen Unternehmen, die Firmen übernehmen, um sie auszuschlachten und von dannen zu ziehen. Was die zweite Gruppe angeht, sind das noch immer nicht die Freunde der SPD, und wir werden alles tun, um dagegen vorzugehen. Aber es ist doch klar, dass wir als größtes Wirtschaftsland in Europa und Exportweltmeister uns nicht außerhalb der internationalen Finanztransfers stellen wollen und können.

Ihr Leitbild des ehrbaren Kaufmanns wirkt in einer solchen Welt ein bisschen altertümlich.

Wenn Anstand altertümlich ist, dann bin ich gerne altertümlich. Ich glaube, das ist eine Frage der Unternehmenskultur. So wie die Arbeitnehmer Leistung bringen müssen, so müssen auch Manager gute Arbeit abliefern im Sinne der Erhaltung des Unternehmens und seiner Zukunftsfähigkeit.

Was muss passieren, damit sich Leistung auch für Arbeitnehmer wieder lohnt?

Ich halte es für ganz zentral, dass wir neben einer vernünftigen Lohnpolitik eine Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen hinbekommen. Wenn Arbeitnehmer Geld in ihr Unternehmen stecken, bilden sie eigenes Vermögen und stärken die Liquidität des Unternehmens. Auf diese Weise können Arbeitnehmer- und Unternehmerinteressen zusammengefügt werden.

Klingt faszinierend. Bloß wird darüber seit Jahren diskutiert, ohne dass etwas passiert.

Das wird sich ändern. Ich will das Thema in der Koalition forcieren. Ich finde es interessant, dass die Union auch daran arbeitet. Ich warte jetzt noch deren genaue Beschlüsse ab. Dann werde ich sehr bald einen Vorschlag vorlegen, der unterschiedliche Modelle beinhaltet.

... mit dem Ziel einer Gesetzesinitiative noch in dieser Legislaturperiode?

Das will ich erreichen.

Wie wollen Sie verhindern, dass Arbeitnehmer bei einer Firmenpleite neben ihrem Job auch noch ihr Erspartes verlieren?

Das muss man natürlich über Bürgschaften oder Rückversicherungen absichern. Ich bin gerade in Rheinland-Pfalz dabei, ein Gesetz vorzubereiten, um solche Altersversorgungsrückstellungen auch seitens des Landes mitverbürgen zu können. Wir müssen das Geld vor Insolvenz schützen, und man muss es auch mitnehmen können, wenn man den Arbeitgeber wechselt. Es muss die Möglichkeit geben, es im Unternehmen zu lassen oder es auch zu vererben.

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