SPD-Parteitag
Applaus für den Ex – wenigstens ein bisschen

Altkanzler Gerhard Schröder ehrt auf dem SPD-Parteitag in Berlin die Verstorbenen, weist die Partei auf ihr Vermächtnis hin, wirbt für den Kurs von Sigmar Gabriel – und vergisst auch nicht, sich selbst zu loben.

Berlin Am Ende stehen die 600 SPD-Delegierten des gerade eröffneten Bundeparteitags und applaudieren dem Altkanzler. Dabei ist Gerhard Schröder nicht bei allen Genossen beliebt. Noch immer tragen ihm viele in der SPD die Agenda 20100 nach. Doch Parteichef Sigmar Gabriel schreitet die Bühnentreppe hinab und umarmt den ehemaligen Bundeskanzler: So nah bei der Partei war der Altkanzler Gerhard Schröder selten.

Denn gerade hatte der 71-jährige Schröder die drei große Figuren der deutschen Sozialdemokratie gewürdigt, die 2015 verstorben waren: Literaturnobelpreisträger Günter Grass, gestorben im April im Alter von 87 Jahren, SPD-Stratege Egon Bahr, gestorben im August im Alter von 93 Jahren und der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, gestorben im November im Alter von 96 Jahren.

Es war Schröders erster Auftritt bei einem SPD-Parteitag seit 2007. Damals, zwei Jahre nach seiner Amtszeit und seiner in der Partei umstrittenen Agenda 2010, hatte er nur ein knappes Grußwort gesprochen. An diesem Donnerstag zeichnete er mit der Totenehrung nun die großen Linien der deutschen Sozialdemokratie – nicht ohne die Biographien der Verstorbenen zu nutzen, um sein eigenes politisches Wirken ins rechte Licht zu rücken.

Vor der auf der großen Videoleinwand eingeblendeten roten Flagge aus dem Jahr 1863, mit der Ferdinand Lassalle und sein Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein den Beginn der deutschen Sozialdemokratie markierte, blickte Schröder zurück. Mehr als 40 Jahre kannte er die drei Verstorbenen: „Ich habe sie als Jungsozialist politisch begleitet, nicht immer ohne Kritik. Später haben sie mich politisch begleitet – auch nicht immer ohne Kritik.“ Entstanden sei ein „freundschaftliches Verhältnis und manch gutes Gespräch“.
Die drei, so würdigte Schröder in dunklem Anzug und dunkelroter Krawatte, hätten das Land aufgebaut und die Demokratie geformt, auf die man stolz sein könne. „Es ist unser Land“, sagte Schröder besonnen. Grass, Bahr und Schmidt, das seien drei große Deutsche, in deren Lebensläufen sich die Geschichte des Landes konzentriere. Ihre Maxime „Ohne Frieden ist alles nichts“ sei ihr Vermächtnis. Die drei Verstorbenen könnten der SPD ins Gedächtnis rufen, wofür sie stehe: Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit.

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Er will den Genossen den richtigen Weg weisen

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