SPD-Parteitag
„Eine Bank kann auch mal scheitern“

Erst gibt es viele leere Worthülsen und Wahlkampfgetöse in seiner Parteiprogramm-Rede. Doch dann wird Kanzlerkandidat Peer Steinbrück doch noch inhaltlich. Seine stärksten Momente hat er als Bankenbändiger.
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AugsburgApplaus ist ein Gradmesser in der Politik. Jeder Delegierte der SPD, der nach Augsburg gereist ist, weiß um die symbolische Bedeutung von Klatschstärke und –dauer. So erheben sich die Genossen in der Messehalle bereits zu Standing Ovations, da ist auf dem Bundesparteitag noch kein Wort gesprochen. Minutenlanges rhythmisches Klatschen beim Einzug ihres Spitzenkandidaten Peer Steinbrück. Die Botschaft: Schaut her, das ist unser Mann. Trotz allem.

Dafür erwarten sie einen Kandidaten, der sich ins Zeug hängt und sich kämpferisch gibt. Und Peer Steinbrück gelingt es mit einem Rede-Coup, die Halle gleich auf Betriebstemperatur zu bringen. „Heute beginne ich meine Rede mit dem Schluss: Ich will Kanzler der Bundesrepublik Deutschland werden!“ Jubel.

Und Steinbrück attackiert, erklärt, warum er – anders als Vize-Kanzler Philipp Rösler von der FDP – Deutschland nicht für das coolste Land der Welt hält. Niedriglöhne, Mietwucher, Steuerzahler, die Banken retten müssen. „Das ist alles andere als cool, Herr Rösler.“ „Diese Bundesregierung ist schwankend, streitend, Leistung vortäuschend, große Klappe und nichts dahinter, folgenlose Gipfel“, sagt Steinbrück. „Die Parole lautet Abwahl.“

Es gehe darum, das Land „wieder ins Lot" zu bringen. Die SPD wolle „für ein neues soziales Gleichgewicht bei guter wirtschaftlicher Entwicklung sorgen", betonte er. Die Partei stehe für „mehr Wir und weniger Ich“.

Seine stärksten Momente hat er als Bankenbändiger. Er will ein Trennbankensystem, Bankenrettungsfonds für labile Banken, den die Finanzbranche selbst finanziert und keine garantierte Hilfen. „Mit der Folge, dass eine Bank auch mal scheitern kann“, ruft Steinbrück. Dazu will er Bankgeschäfte wie ungedeckte Leerverkäufe, den Handel mit Derivaten, die nicht realwirtschaftlich unterlegt sind und die Spekulationen mit Nahrungsmitteln verbieten. Steinbrücks Fazit im SPD-Jargon: „Nie wieder darf der risikofreudige Spekulant aus New York, London oder Frankfurt das Ersparte von Maria Tibulski aus Bocholt gefährden.“

Kommentare zu " SPD-Parteitag: „Eine Bank kann auch mal scheitern“"

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  • @nordkorea
    OK. Es ist bei allen Parteien so.

  • @Steinbrueck-Programm

    "WestLB" haben Sie in Ihrer Aufzählung vergessen!

  • Der Parteitag der Salbungen ist zum Glück zu Ende. Der Deutsche Michel hat soviele Wahlversprechen erhalten, dass irgendwas sicher hängen bleibt. Als Gabriel und Roth dann noch 5 m Breite Hand in Hand der Bühne ausfüllten war die Überschrift:

    Gemeinsam machen wir jetzt Deutschland platt.

    Steinbrück als Bankenbändiger ist auch ein Populistischer
    Satz. Wenn ich mein Geld einer Bank anvertraue muss es wie bei dem Bürger eine Banken-Schufa geben, wo ich drauf zugreifen kann oder die Schufa wird abgeschafft weil sie
    Verfassungswidrig ist.

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