SPD-Parteitag
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„Der kurze Sommer der Stones“: Wenige Tage vor Beginn des SPD-Parteitages reißt die Kritik an den beiden Hoffnungsträgern Steinbrück und Steinmeier, parteiintern als „The Stones“ bezeichnet, nicht ab: Vor allem die SPD-Linke wettert gegen die Orientierungslosigkeit der Parteigrößen – wie zwei SPD-Führungskräfte im Richtungsstreit zerrieben werden.

BERLIN. Eigentlich sollte Thomas Brussig ja aus seinen Rotlicht-Reportagen lesen. Aber als sich der Schriftsteller am Dienstagabend im kleinen Kreis im Internationalen Club des Auswärtigen Amts an sein kleines Tischchen setzt, schaut er kurz Frank-Walter Steinmeier an und öffnet dann ein anderes Buch. Es geht um einen Schiedsrichter namens Uwe Fertig und dessen Klage, sein Job werde im Vergleich zu den im Rampenlicht stehenden Fußballstars nicht ausreichend gewürdigt. Steinmeier lehnt sich lachend über die Stuhllehne.

Drei Tage vor Beginn des SPD-Parteitages hätte „Sonnenallee“-Autor Brussig keine bessere Auswahl treffen können. „Auf zwei Seiten zu stehen, das kann ich überhaupt nicht, darin fehlt mir die Übung, während ich mir mit dem anderen, dem Auf-keiner-Seite-Stehen, einen Namen gemacht habe“, bekennt Schiedsrichter Fertig – doch viele im Raum überlegen, ob dies nicht auch auf Steinmeier passt.

Denn besser kann man seinen Politikstil der letzten Monate kaum beschreiben. Früher hatte er als Kanzleramtschef Ausgleich zwischen Ressorts suchen müssen. Seit 2005 versucht er als Bundesaußenminister den Balanceakt zwischen SPD und Kanzlerin. Und in der Agenda-Debatte ist er jetzt zusammen mit dem Finanzminister derart brutal zwischen die Fronten geraten, dass das Duo „Steinmeier & Steinbrück“, parteiintern „The Stones“ genannt, nun angeschlagen zum Parteitag nach Hamburg fahren muss. Dort wollen sie sich zusammen mit der SPD-Linken Andrea Nahles zu den drei Stellvertretern des Parteivorsitzenden Kurt Beck wählen lassen.

Längst spotten vor allem SPD-Linke, dass der Glanz der beiden Hoffnungsträger ziemlich verblasst ist. „Der kurze Sommer der Stones“ lästern einige Blätter bereits. Ärgerlich für Steinmeier: In der Außenpolitik hatte die Bundeskanzlerin ihm zusätzlich die Schau gestohlen, etwa mit ihrer Klimareise, dem Auftritt bei der Uno-Vollversammlung – und dann mit dem nicht abgesprochenen Empfang des Dalai Lamas. Hatte der 51-Jährige vor Monaten etwa mit seiner Syrien-Reise sichtbar und selbstbewusst eigene Akzente gesetzt, wird heute schon wieder mit dem „Koch und Kellner“-Bild aus den Schröder-Fischer-Zeiten gestichelt.

Der 60-jährige Peer Steinbrück wiederum konnte sich in den vergangenen Monaten lange im Licht immer besserer Haushaltszahlen sonnen. Seit seinem Amtsantritt Ende 2005 warb er gegen überzogene Ansprüche an den „nachsorgenden Staat“ – und sah sich als Lordsiegelbewahrer der SPD-Reformer.

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