SPD-Politiker
Tauss: Kinderpornographie-Verdacht weiter erhärtet

Der Verdacht gegen den SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss wegen des Besitzes von Kinderpornographie hat sich nach einem Medienbericht weiter erhärtet. Demnach sollen eindeutige SMS-Texte von der Handynummer des Abgeordneten verschickt worden sein. Tauss wird frühestens Ende nächster Woche zu den Vorwürfen vernommen.

HB KARLSRUHE. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll Jörg Tauss bei einem Kontaktmann in Bremerhaven kinderpornografisches Material geordert haben. Die Handy-Nummer, von der die SMS-Texte mit eindeutigem Inhalt verschickt worden sein sollen, sei von den Fahndern dem SPD-Poltiker zugeordnet worden. Darin sollen auch Begriffe wie "geil" gefallen sein. Laut "Nordsee-Zeitung" sei dagegen unklar, ob Tauss auch Daten zurückgeschickt habe.

Jörg Tauss bestreitet die Vorwürfe nach wie vor. Auf seiner Website kündigte er am Freitag an, die Staatsanwaltschaft nach Kräften unterstützen zu wollen. Am gleichen Tag ließ er über den Micro-Blogging-Dienst "Twitter" mitteilen, dass sämtliche seiner Kommunikationsgeräte von der Polizei beschlagnahmt wurden.

Tauss wird sich frühestens Ende nächster Woche gegenüber der Staatsanwaltschaft zu den Kinderpornografie-Vorwürfen äußern können. Eine Befragung von Tauss sei in den nächsten Tagen nicht geplant, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring am Samstag in Karlsruhe auf Anfrage. Die Ermittler würden zunächst die beschlagnahmten Dateien untersuchen. Erst danach sei vorgesehen, den SPD-Politiker mit den Vorwürfen zu konfrontieren.

Der 55-jährige Karlsruher Tauss war am Freitag von seinen Ämtern zurückgetreten, nachdem bei Durchsuchungen in seiner Berliner Wohnung Kinderporno-Bilder gefunden worden waren. Er hat mehrfach seine Unschuld beteuert. Sein Bundestagsmandat will der SPD-Politiker behalten.

Die sichergestellten Dateien spielten bei den Ermittlungen eine Schlüsselrolle, sagte Rehring ohne Einzelheiten nennen zu wollen. Bei den Ermittlungen habe die Staatsanwaltschaft gezielt auch nach Hinweisen gesucht, die gegen den Anfangsverdacht hätten sprechen können. "Das Gegenteil war der Fall", sagte der Oberstaatsanwalt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Verdacht habe sich vielmehr erhärtet.

Tauss hatte die Funde mit seiner Tätigkeit als medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion erklärt. "Die Fundsituation spricht eindeutig gegen einen Zusammenhang mit seiner Abgeordnetentätigkeit", meinte hingegen Oberstaatsanwalt Rehring, der auch keinerlei Anhaltspunkte für einen Racheakt sieht.

Der Anwalt von Tauss hatte den Ermittlungsbehörden in der "Stuttgarter Zeitung" vorgeworfen, gegen den Grundsatz der Unschuldsvermutung zu handeln. Die Ermittler hätten "bereits Stellung genommen, als die Durchsuchungen noch gar nicht abgeschlossen waren". Diesen Vorwurf wies die Staatsanwaltschaft Karlsruhe zurück. Die Anklagebehörde habe Tauss durch öffentliche Äußerungen nicht vorverurteilt, sagte Rehring der dpa.

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