SPD schließt Bündnis mit Linkspartei aus
Union und SPD fürchten große Koalition

Die Linkspartei macht ein Bündnis der Volksparteien vielleicht unvermeidlich - doch kaum einer will es.

BERLIN. Die jüngsten Umfrageergebnisse haben bei den gerade in den Wahlkampf gestarteten Parteien hektische Debatten ausgelöst: Zum einen wird in Union und SPD verstärkt über mögliche Folgen einer großen Koalition nachgedacht. Zum anderen haben sich erste SPD-Linke aus der Deckung gewagt und gefordert, nun doch ein rot-rot-grünes Bündnis mit der neuen Linkspartei in Erwägung zu ziehen. SPD-Parteichef Franz Müntefering schloss dies am Sonntag aber kategorisch aus.

Die jüngsten Umfragen von der ARD wie auch vom ZDF hatten ergeben, dass der Vorsprung für Union und FDP gegenüber SPD, Grünen und Linkspartei auf teils nur noch einen Prozentpunkt geschmolzen ist. Auch wenn bei Meinungsforschern noch umstritten ist, ob die Linkspartei ihre Umfragewerte halten kann, wird in Berlin ein Patt beider politischen Lager für möglich gehalten. Eine große Koalition unter Führung der Union gilt dann als die wahrscheinlichste, wenn auch ungeliebte Variante für die Regierungsbildung. "Eine solche Entwicklung kann man nicht ausschließen", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD).

Dennoch lehnen alle Spitzenpolitiker diese Option offiziell als nicht wünschenswert ab. CDU-Parteichefin Angela Merkel etwa hat einer Koalition mit der SPD eine ebenso deutliche Absage erteilt wie SPD-Chef Müntefering. Beck sieht ein Bündnis wegen des nicht ausreichenden Maßes an Gemeinsamkeiten als "äußerst problematisch". "Eine große Koalition würde die Lösung der Probleme in unserem Land dramatisch erschweren", meint auch SPD-Fraktionsvize Michael Müller.

Nun ist die offizielle Ablehnung in Wahlkampf-Zeiten keine Überraschung, denn hier ist Abgrenzung gefragt. Aber auch intern löst die Aussicht auf eine große Koalition in SPD und Union mehr Sorgen als Hoffnungen aus. Einzelne Sozialdemokraten argumentieren zwar, dass eine Regierungsbeteiligung selbst als Juniorpartner den Schock nach der absehbaren Wahlniederlage "abfedern" könne. Zudem könne sich die SPD in der Regierungsverantwortung keine öffentliche Selbstzerfleischung leisten. Doch solche Stimmen sind klar in der Minderheit.

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