SPD-Sonderparteitag
Führungstandem Steinmeier-Müntefering legt los

Nach einer kämpferischen Rede mit der Forderung nach neuen Regeln für die Marktwirtschaft sowie einem Konjunkturprogramm wählen die 500 Delegierten auf dem SPD-Sonderparteitag in Berlin Frank-Walter Steinmeier zu ihrem Kanzlerkandidaten.

BERLIN. Am Ende ging alles gut: 95,13 Prozent der Delegierten des SPD-Sonderparteitags stimmten für Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidat der SPD. Er erhielt 569 von 593 gültigen Stimmen. Am 27. September 2009 will Steinmeier die Bundestagswahl gewinnen und zum zweiten Mal ins Kanzleramt einziehen. Nicht als Kanzleramtsminister wie unter Gerhard Schröder, nein als dessen sozialdemokratischer Nachfolger. Kurz darauf wählen die Delegierten Franz Müntefering zum Parteivorsitzenden. Der 68-Jährige erhielt 403 von 475 gültigen Stimmen, das entspricht nach SPD-Angaben rund 85 Prozent.

Es ist eine Abstimmung zu der es keine Alternative in dieser Zeit und in dieser Phase der SPD gibt. Die Weltwirtschaft rappelt wegen der Finanzmarktkrise heftig. Die SPD rumpelt, weil sie vor sechs Wochen mal wieder einen Parteivorsitzenden verloren hat. Hier im Saal grummelt es vor allem im Block der Delegierten aus Rheinland-Pfalz, als Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit Franz Müntefering in den Konferenzsaal des Berliner Hotels Estrel einzieht. Nebenan, auf den Plätzen des Seniorenrates, jubeln sie und reichen Müntefering die Hände. Die Pfälzer aber guckten ernst und klatschten gar nicht bis verhalten. Sie vermissen ihren Landesvorsitzenden Kurt Beck an der Spitze der Partei. Und doch: Heute beginnt das neue Zeitalter mit Steinmeier und Franz Müntefering an der Spitze der SPD.

Ein Spiel dauert 90 Minuten. Heute dauerte der Kampf um ein gutes Ergebnis bei Frank-Walter Steinmeier exakt so lange. Steinmeier steht vorne auf dem Podium im schwarzen Anzug und weißem Hemd, wie ein Staatsmann, dazu aber die rote Krawatte für die Partei. Sie signalisiert Angriff. "Ich bin froh, dass Du zurück bist", sagt er an Franz Müntefering gerichtet und erntet seinen ersten Beifall. Dann beginnt er seine Rede.

"Willy Brandt hat mal gesagt: Eine Sozialdemokratie ohne Zuversicht ist wie eine Kirche ohne Hoffnung." Und weiter: "Wir glauben wieder an uns. Das macht uns stark." Dann patzt er, betont das Satzende falsch, als er sagt: "Die anderen, die merken das." Warten. Dann klatschen die Genossen pflichtschuldig.

Nein, die Wahlkampfrede ist nicht seins. Er war sehr lange Beamter, Zulieferer für die Politiker der SPD, allen voran für Gerhard Schröder. Doch es soll noch kämpferisch werden. Dies ist die wichtigste Rede in seiner Karriere. Er will heute nicht Staatsmann, sondern Wahlkämpfer sein, ein Bewerber in eigener Sache.

"Wir sind jetzt eine Partei. Und das muss jetzt so bleiben", fordert er vehement. Man will Basta sagen, aber nein. Das war das Motto seines alten Chefs, das Motto von Gerhard Schröder. Wenn er laut wird, brummt seine Stimme wie die von Gerhard Schröder. Das wollen sie nicht hören, die Genossen, diesen Vergleich. Aber er schüttelt verbal den Kopf über den Professor aus Heidelberg, Kirchof, wie einst Schröder. Aber nein, vielleicht habe Schröder ja so geredet wie Steinmeier, sagen dessen Vertraute. Er will auf die Parteilinke zugehen. Agenda 2010 war einmal, Agenda 2020 soll es werden.

"Wir spüren, wie laut der Ruf der Menschen nach guter Politik ist", sagt er. "Wenn es eng wird, dann ist es gut, dass wir Verantwortung in diesem Land tragen." Für Deutschland sei die Finanzmarktkrise der wichtigste Einschnitt seit der Wiedervereinigung. Deswegen bedürfe es jetzt klarer Regeln, die die Politik setzen müsse. Und die SPD werde sie setzen.

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