0 Bewertungen
21.10.2007 
Kein Zweifel an Becks Wiederwahl

SPD sortiert geräuschvoll Ideen für „soziales Deutschland“

von Karl Doemens

Erst waren es neun, dann acht. Nun wird der Antrag „Reformen für ein soziales Deutschland“, mit dem SPD-Chef Kurt Beck dem Hamburger Parteitag die Verlängerung des Arbeitslosengeldes vorschlagen will, doch wieder neun Punkte umfassen.

An der Wiederwahl von Kurt Beck besteht kein Zweifel. Foto: apLupe

An der Wiederwahl von Kurt Beck besteht kein Zweifel. Foto: ap

BERLIN. Am Montag soll der SPD-Vorstand das Papier beschließen. Darin enthalten ist auch ein Prüfauftrag für einen Rentenbonus für Arbeitnehmer, die über den 60. Geburtstag hinaus arbeiten. Doch die zuständige Arbeitsgruppe der Partei hat diese Forderung nach Informationen des Handelsblatt nie erhoben. Experten halten die Idee für systemwidrig.

Das verwirrende Hin und Her beleuchtet die Schwierigkeiten der SPD-Spitze, nach dem Richtungsstreit zwischen Beck und Vizekanzler Franz Müntefering zu einem einheitlichen Kurs zurückzufinden. Dennoch besteht in Parteikreisen kein Zweifel, dass Beck auf dem am Freitag beginnenden dreitägigen Parteitag mit überwältigender Mehrheit zum Vorsitzenden wiedergewählt wird und auch für seine programmatischen Vorschläge eine große Unterstützung erhält. Mit dem Kompromissvorschlag zur Bahnreform dürfte zudem das brisanteste Konfliktthema entschärft sein.

Am Montag wird der 40-köpfige Parteivorstand die vier Leitanträge „Gute Arbeit“, „Sicherheits- und Abrüstungspolitik“, „Ökologische Industriepolitik“ und „Kulturpolitik“ verabschieden. Der von Arbeitsminister Müntefering und der nordrhein-westfälischen Landeschefin Hannelore Kraft erarbeitete Arbeitsmarkt-Antrag enthält unter anderem die Forderung nach gesetzlichen Mindestlöhnen. Am Wochenende blieb offen, ob Müntefering selbst zur Einbringung des Papiers auf dem Parteitag sprechen und möglicherweise erneut seine Einwände gegen die von Beck betriebene Verlängerung des Arbeitslosengeldes vortragen wird.

Die Beck-Idee ist Kernpunkt eines eigenen Initiativantrages „Reformen für ein soziales Deutschland“, der separat abgestimmt wird. Er enthält neben der auf maximal 24 Monate ausgedehnten Zahldauer des Arbeitslosengeldes für Ältere auch die Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags auf 3,5 Prozent und einige Vorschläge der SPD-Arbeitsgruppe für flexiblere Teilrenten ab dem 60. Lebensjahr. Außerdem werden in dem Antrag nun wieder Maßnahmen gegen „den Missbrauch von Zeit- und Leiharbeit“ gefordert. In einer ersten Stufe sollen für die Branche Mindestlöhne eingeführt werden. Nach einer Übergangszeit müsse das Prinzip des „gleichen Lohns für gleiche Arbeit“ gelten, heißt es. Exakt diese Forderungen finden sich auch in Münteferings Antrag „Gute Arbeit“. Deswegen war der Punkt am Dienstag zunächst aus dem Beck-Papier gestrichen worden. Nun soll er zweimal beschlossen werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ernste inhaltliche Differenzen zeichnen sich bei Rente mit 67 ab

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar