SPD-Spitzenkandidat
Klaus Wowereit – der Promi-Bürgermeister

Der Regierende Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kocht mit Biolek und trinkt Sekt aus Damenschuhen. Das Image des coolen, charismatischen Typs, scheint wie geschaffen für die quirlige Millionenstadt zu sein. Doch Wowereit setzt zunehmend auf Seriosität.

Fotos mit Champagnerflaschen und Damenschuhen wie zu Beginn seiner Amtszeit oder beim Küssen von B-Prominenz aus der Kabarettszene gibt es nicht mehr. Öffentliche Partys besucht Wowereit noch, geht aber früher. Berlins Regierender Bürgermeister hat sich in den vergangenen Jahren seriöseres Auftreten verschrieben. Am 17. September will er die Abgeordnetenhauswahl gewinnen.

In den Jahren danach fühlt er sich womöglich zu Höherem berufen. Er wolle sich, so betont Wowereit derzeit, stärker in die Bundespolitik einschalten. Beliebte Regierungspolitiker hat die SPD derzeit kaum vorzuweisen. Ein Mangel, der Wowereit noch einmal zu Gute kommen könnte.

Seit Januar 2002 führt der gebürtige Berliner die erste rot-rote Koalition in der Hauptstadt. Zuvor legte Wowereit eine Blitzkarriere in der SPD hin. Nach elf Jahren als einst jüngster Bildungsstadtrat in Tempelhof, zog der Jurist 1995 ins Abgeordnetenhaus ein. Bereits 1999 rückte er an die Spitze der Fraktion. Auch bekannt wurde der Opernfan durch sein Bekenntnis zu seiner Homosexualität.

Anstrengung oder eine leichte Verbissenheit wie bei seinem Herausforderer sind Wowereit bislang im Wahlkampf kaum anzumerken. Während der CDU-Kandidat Friedbert Pflüger an heißen Sommertagen beim Rededuell auf dem Podium schwitzt und bei Touren durch Altenheime und türkische Fußballvereine um Bekanntheit kämpft, setzt der Bürgermeister auf seine Beliebtheit. An einem Wahlerfolg zweifelt er nicht. 30 Prozent plus X lautet das Ziel. "Bei 33 Prozent feiern wir, bei 35 Prozent gibt es Schampus", sagt er.

Ein Politikwissenschaftler beschrieb unlängst, das Image des Sozialdemokraten Wowereit ähnele inzwischen mehr dem eines Entertainers als dem eines Politikers. Bei den Berlinern, denen man zwar eine große Klappe aber ebenso latente Minderwertigkeitskomplexe nachsagt, kommt das gut an. Außer Kanzler Gerhard Schröder gelang es kaum einem Politiker in der letzten Zeit so überzeugend, neben Tom Cruise, Thomas Gottschalk oder Franz Beckenbauer zu stehen und den Eindruck zu erwecken, zumindest zeitweise in der gleichen Liga zu spielen.

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