0 Bewertungen
18.10.2006 
Unterschichten-Debatte

SPD: Staat soll Chancenlose einstellen

Die Debatte über die neue deutsche Unterschicht kreist um die schlechten Chancen der Unterprivilegierten am Arbeitsmarkt – zunehmend aber auch um die Angst der Mittelschicht vor dem Absturz. Der Ruf nach Konsequenzen in der Politik wird somit lauter. SPD-Arbeitsmarktexperten glauben, eine Lösung gefunden zu haben.

ALG II-Empfänger und arbeitslose Akademiker in Deutschland. Grafik: HandelsblattLupe

ALG II-Empfänger und arbeitslose Akademiker in Deutschland. Grafik: Handelsblatt

HB BERLIN. Der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner plädiert dafür, bisher Chancenlosen mit auf Dauer angelegter öffentlicher Beschäftigung zu helfen. Brandner sagte der „Frankfurter Rundschau“, man müsse sich von der Illusion verabschieden, dass alle Menschen in einen regulären Arbeitsplatz zu vermitteln seien. Die Kosten für eine öffentliche Beschäftigung sollte der Bund tragen, wobei nach Möglichkeit die Kommunen und auch die Länder zu beteiligen wären.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach rief in derselben Zeitung, die Politik zum Handeln auf. „Es reicht nicht, nur über Armut zu reden. Man muss auch etwas dagegen tun“, wurde sie zitiert. Auch die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV), Barbara Stolterfoht, forderte, den Worten Taten folgen zu lassen.

„Ich hoffe, dass ein radikales Umdenken einsetzt“, zitierte die „Netzeitung“ Stolterfoht. Die Strategien der Politik, mit den Hartz-Reformen Menschen wieder in Arbeit zu bringen, hätten versagt und stattdessen noch mehr Menschen arm gemacht. Die DPWV-Chefin forderte einen Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik, sowie einen zweiten und dritten Arbeitsmarkt. Denn viele Langzeitarbeitslose hätten auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum noch Chancen.

Indes dauern die Angriffe der Union auf den Koalitionspartner SPD und die früher mitregierenden Grünen an. CSU-Generalsekretär Markus Söder warf der SPD vor, für einen Großteil der Armut in Deutschland verantwortlich zu sein. „Sieben Jahre Rot-Grün haben zu Massenarbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit vieler Menschen geführt“, sagte er der „Berliner Zeitung“.

Es sei deshalb peinlich für die SPD, dass ausgerechnet die ihr nahe stehende Friedrich-Ebert-Stiftung sie mit der bitteren Wahrheit über die Unterschicht in Deutschland konfrontiere. Söder forderte indirekt eine Absenkung der Bezüge für Langzeitarbeitslose. Hartz IV sei bereits ein Mindestlohn. „Weil er so hoch ist, fehlt manchen die Motivation zur Arbeit“, wurde er zitiert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch Mittelschicht fürchtet den Absturz

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar