Der CSU-Landesgruppenvorsitzende im Bundestag, Peter Ramsauer, kritisierte die bisherige Diskussion als zu eng: „Es geht nicht nur um die Unterschicht, es betrifft mittlerweile auch Leistungsträger der Gesellschaft“, sagte der Bayern-Politiker. Denn aus traditionellen Mittelschichtlern würden unverschuldet Absteiger.
Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil stellte die Angst der Mittelschicht zumindest neben die Probleme der Unterschicht: „Die Gesellschaft bricht auseinander, „wenn wir zulassen, dass es einem Drittel sehr gut geht, die Mitte der Gesellschaft Angst vor sozialem Abstieg hat und ein Drittel der Gesellschaft abgehängt ist“, sagte er dem Fernsehsender n-tv.
Ausgelöst worden war die Unterschicht-Debatte von SPD-Chef Kurt Beck. Eine Studie der SPD gab dem Thema zudem neue Nahrung. Diese beziffert die Gruppe der sozial Schwächsten auf rund acht Prozent der Bevölkerung. Das werde „von der Empirie jedenfalls nicht klar bestätigt“, kritisiert Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft. Denn nach dem Armutsbericht der Bundesregierung seien nur vier Prozent chronisch arm, weil sie mindestens drei Jahre lang ein Einkommen unter 60 Prozent des Durchschnitts hatten.
Auch sei „einmal arm nicht gleich immer arm“. Ein Drittel der Einkommensarmen könne nach einem Jahr, ein weiteres Drittel nach zwei Jahren die Armut hinter sich lassen. Nach Studien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist jedoch die „Aufstiegsmobilität der Geringverdiener in den vergangenen 20 Jahren deutlich zurückgegangen.
Auch Beck, Heil & Co. kritisieren die mangelnde „Durchlässigkeit“ – zuerst in der Schule, dann in Berufsausbildung und Weiterbildung. Dass Deutschland ein Problem hat, den Weg von unten nach oben freizuräumen, rügte unlängst sogar Bundespräsident Horst Köhler.Diese Durchlässigkeit müsse schon im Vorschulalter größer werden, sagt Bildungsstaatssekretär Andreas Storm (CDU). Denn hier stehen die ersten Barrieren: Kinder aus unterpriviligierten Schichten besuchen seltener einen Kindergarten und haben so gleich schlechtere Startchancen. Abhilfe sollen kostenlose oder auch obligatorische Kindergärten bringen.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Viel zu wenig Akademiker


