SPD startet Wahlkampfmaschinerie für Gesine Schwan
Warum nicht mal eine Präsidentin?

Frank-Walter Steinmeier vermutete Gesine Schwan am Wochenende vor dem Fernseher. Wenn sie dort jetzt sitze, sagte er, solle sie wissen: "Gesine, meine Unterstützung hast Du und auch die dieses Parteitags und der gesamten SPD!"

BERLIN. Die Kandidatin der SPD für das Amt des Bundespräsidenten aber weilte im Familienurlaub. Den hatte sie schon lange geplant. Es sollte eine Art erster Urlaub nach dem Berufsleben werden, der erste als Rentnerin gewissermaßen. Schließlich ist sie seit Oktober nicht mehr Präsidentin der Viadrina Universität in Frankfurt an der Oder. Dass sie einen Wahlkampf zu bestreiten haben würde, dass wusste sie nicht, als sie die Tickets für die Reise buchte.

So also fehlte Gesine Schwan am Samstag, als die SPD ihre neue Führungsspitze wählte und damit offiziell den Bundestagswahlkampf eröffnete. Nichtsdestotrotz: In dieser Woche beginnt auch für sie der Wahlkampf - auch wenn sie diesen Begriff nicht mag. Gesine Schwan spricht lieber von einer "fairen Präsentation der Anliegen". Die PR-Abteilung aber ist ab heute endgültig komplett und nimmt ihre Arbeit im Willy-Brandt-Haus auf. Aus Respekt vor dem Amt, für das sich die 65-jährige Politikwissenschaftlerin bewirbt, nennt sich die Gruppe, die fünf Mitarbeiter umfasst, nicht etwa "Kampa", sondern "Unterstützerstab".

Fakt aber ist: Ab heute obliegt die Organisation ihrer Bewerbung der SPD. Die Pressestelle bearbeitet Anfragen, ein eigens abgestellter Pressesprecher wird sich um sie kümmern und auch die Internetseite www.gesine-schwan.de wird im Willy-Brandt-Haus von einem Mitarbeiter aufgebaut und wohl in den kommenden Tagen freigeschaltet. Auf dieser digitalen Visitenkarte sollen ihre wichtigsten Reden und Termine zu finden sein, sowie ihre Kernaussagen. Die Seite soll die Anlaufstelle für die "Bürgerpost" sein, wie es in ihrem Büro heißt. Ihr Glück, dass Schwan diese Domain überhaupt nutzen kann: Vorausschauende hatten sie sich direkt nach ihrer Nominierung gesichert. Nach Protesten aber gaben sie sich aber einsichtig und die Internet-Adresse ab.

Die alte Adresse als Präsidentin der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder gilt jedenfalls nicht mehr. Schwan arbeitet jetzt an der Humboldt-Viadrina School of Governance inmitten der Hauptstadt. An der Wilhelmstraße, nur etwa 80 Hausnummern entfernt von der SPD-Parteizentrale residiert sie.

Während der Kandidat der Linkspartei, Peter Sodann, für eine neue Nationalhymne plädiert und den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gerne verhaften würde, plant Schwan einen Vortragszyklus. Der startet am 9. November mit einer Rede in der Münchener Ludwigs-Universität. Thema wird sein: "Aus der Vergangenheit lernen heißt Zukunft gewinnen." Später wird sie sechs weitere Reden halten, unter anderem zur Rolle der sozialen Marktwirtschaft in der Globalisierung.

Die Debatte, ob Schwan nun gegen Horst Köhler als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zum zweiten Mal antreten soll, ist in der SPD jedenfalls beendet. Ja, sie wird kandidieren, auch wenn es kurz nach der Bayernwahl noch einmal Stimmen in der SPD gab, weil es nach jetzigem Stand in der Bundesversammlung nicht für eine Mehrheit reichen wird.

Über die Parteiflügel hinweg aber herrscht jetzt Einigkeit, wie in allem künftig in der SPD Einigkeit herrschen soll. "Was spricht gegen eine demokratische Kandidatur?", fragt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber. "Frau Schwan ist es, Frau Schwan bleibt es", sagt der Sprecher des Seeheimer Kreise, Johannes Kahrs. "Man sollte sich an Beschlüsse halten", sagt der Parteilinke und Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach.

Am 23. Mai 2009 werden alle wissen, ob es reicht, oder Gesine Schwan dann doch den Ruhestand genießen kann. Frank-Walter Steinmeier jedenfalls fragte am Samstag listig: "Warum eigentlich nicht eine Bundespräsidentin?"

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