SPD-Trio demonstriert Einigkeit
Kein Stunk zur Sitzung

Endlich sind die Rollen an der SPD-Spitze klar verteilt: Fraktionschef Peter Struck meldet sich „freiwillig“ als Bauer des politischen Dreigestirns und schlägt Parteichef Matthias Platzeck als König vor.

BERLIN. Der Potsdamer will sich die Krone in dieser Session nicht aufsetzen: „Das ist kein Thema.“ Im Jahr 2009 könnte er sich auch eine sozialdemokratische Jungfrau als Kanzlerin vorstellen. Dafür kommt Franz Müntefering nicht in Frage. Der Vizekanzler sieht sich zwar in „voller Übereinstimmung“ mit Platzeck, hat für „Psychologisiererei“ oder „Kikifax“ aber überhaupt keine Zeit. Der Karneval müsse „ein Ende haben“ und die Weltmeisterschaft beginnen, drängt der Sauerländer: „Alle müssen aufs Spielfeld!“

So lustig ging es nicht etwa bei „Mainz bleibt Mainz“ zu. Das – in der Zusammenfassung unwesentlich gestraffte – närrische Dreipersonenstück wurde vielmehr am Wochenende in Berlin gegeben. „Die SPD in der großen Koalition – Ausblick“ lautete der scheinbar nüchterne Titel, unter dem Platzeck, Müntefering und Struck zu einem Pressegespräch am ungewöhnlichen Karnevalssamstag eingeladen hatten. Die beunruhigend guten Umfragewerte der CDU-Kanzlerin Angela Merkel, die Sorge um das eigene Abschneiden bei den Landtagswahlen und die Spekulationen über Reibereien zwischen Platzeck und Müntefering hatten das rote Trio offensichtlich zu dem gemeinsamen Auftritt veranlasst.

Als „Ideengeber und soziales Gewissen“ der großen Koalition pries Platzeck gleich zu Beginn die eigene Truppe an. Deren zentrale Anliegen seien die Sicherung einer „gerechten Entlohnung“ der Arbeitnehmer, der Ausbau des „solidarischen Gesundheitssystems“ und eine „zukunftsfähige Energiepolitik“. Müntefering verwies auf das Wachstumspaket, das eine sozialdemokratische Handschrift trage, und rückte ziemlich vage neben „existenzsichernden Löhnen“ die höheren Beschäftigungschancen von Älteren ins Zentrum seiner Ausführungen: „Wir sind dabei, das zu konkretisieren.“

Platzeck sprach zehn Minuten. Müntefering brauchte vierzehn. Struck war nach einer Minute fertig. Alles, was Platzeck und Müntefering vorgetragen hätten, werde von der Fraktion umgesetzt – „manchmal mit Änderungen, manchmal ohne“, ergänzte er mit staubtrockener Ironie.

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