SPD-Umfragetief
„Ein regelrechter Steinmeier-Malus“

Für Medienberater Michael Spreng ist das aktuelle Umfragetief der SPD nicht überraschend. Im Handelsblatt-Interview stellt er den Genossen ein erschreckendes Zeugnis aus und erklärt, warum die Sozialdemokraten aus seiner Sicht so dramatisch abgestürzt sind und was ihnen jetzt noch für ein Weg bleibt.

Herr Spreng, die SPD ist in der jüngsten Forsa-Umfrage auf 20 Prozent abgestürzt. Was kann die Partei tun, um aus diesem Tief wieder herauszukommen?

Spreng: Tja … Ich kann Ihnen nicht sagen, was die SPD tun kann, ich kann Ihnen nur sagen, was sie nicht tun kann.

Nämlich was?

Sie kann den Kandidaten nicht mehr auswechseln, sie kann die Agenda 2010 nicht mehr rückgängig machen und sie kann nicht verhindern, dass die CDU die Gewinnerin der Großen Koalition ist.

Was bleibt noch?

Die SPD muss sich einfach mal für einen Weg entscheiden und nicht auf irgendwelche Regierungsperspektiven und mögliche Koalitionen schielen. Das heißt, sie sollte versuchen, stärker in Konfrontation zur FDP zu gehen und einfach so viele Stimmen wie möglich zu holen.

War es denn nur die Dienstwagenaffäre von Ulla Schmidt, die die SPD so hat abstürzen lassen?

Nein, ganz sicher nicht. Da ist zum einen der Kanzlerkandidat, der keine Akzeptanz findet. Da gibt es einen regelrechten Steinmeier-Malus. Zum anderen hat die SPD nichts getan, um aus der Krise zu kommen. Die Vorstellung des Kompetenzteams wurde von Ulla Schmidts Dienstwagenaffäre neutralisiert. Und bei der Vorstellung des Deutschland-Plans war die Nennung der Zahl von vier Millionen Arbeitsplätzen ein schwerer Fehler. Das ist heute nur noch ein Fall für Kabarettisten und Karikaturisten.

Also ist die Lage aussichtslos?

Wer einen Königsweg hätte, der könnte die SPD anrufen und ihn sich teuer bezahlen lassen.

Also hat Steinmeier einen aussichtslosen Job?

Steinmeier hat einen furchtbaren Job. Ich erinnere mich noch an die letzten beiden Wochen des Wahlkampfs mit Stoiber. Es war klar, dass wir verlieren, und es war furchtbar, trotzdem weitermachen zu müssen.

Der Medienberater Michael Spreng war im Wahlkampf 2002 Berater von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU). Bis zum Jahr 2001 arbeitete Spreng unter anderem als Redakteur für "Bild" und Welt" und war später Chefredakteur vom "Express" und von "Bild am Sonntag". Seit Februar 2009 ist Spreng auch als politischer Blogger tätig: www.sprengsatz.de

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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