SPD und Frauen
Männerpartei war gestern? – von wegen!

Die SPD will weiblicher werden und so auch Wählerinnen gewinnen. Das gebietet der Mitglieder- und Wählerschwund. Doch das Ansinnen gelingt bislang nicht. Nun soll die Doppelspitze wieder auf die Tagesordnung.

BerlinSo einfach wollen sich die SPD-Frauen nicht geschlagen geben. Gerade erst wurde ihr Antrag für eine paritätisch besetzte Doppelspitze auf dem Parteitag abgeschmettert. Doch schon legt die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) nach.

„Wir müssen auch als Partei das leben, was wir von der Wirtschaft fordern: nämlich mehr Frauen in Führungspositionen und mehr Partnerschaftlichkeit“, sagte ASF-Vorsitzende Elke Ferner dem Handelsblatt. Auf dem Parteitag sei die Chance vertan worden, ein entsprechendes Signal in der SPD zu setzen. „Für die Ermöglichung der Doppelspitze in der SPD werden wir SPD-Frauen uns daher weiter einsetzen“, kündigte Ferner an.

Tatsächlich zeigen Zahlen des aktuellen SPD-Gleichstellungsberichts: Die Mitgliedszahlen sind weiter rückläufig, und der Frauenanteil liegt bei nur knapp 32 Prozent. Bundesweit gibt es nur noch 146.441 Sozialdemokratinnen. Auch die vor 27 Jahren beschlossene Mindestquote von 40 Prozent Frauen für Funktionen, Mandate und Gremien wird noch immer nicht überall erreicht.

Zugleich gelingt es der SPD immer seltener, weibliche Wähler anzusprechen. So machten Frauen bei der letzten Bundestagswahl mehrheitlich bei der CDU ihr Kreuzchen.

Viele in der SPD sehen das als die zwei Seiten der gleichen Medaille: „Wir wollen den Anteil weiblicher Mitglieder erhöhen und wieder mehr Frauen überzeugen, die SPD zu wählen. Beides hängt für uns zusammen“, heißt es etwa in Nordrhein-Westfalen, dem größten SPD-Landesverband.

Da verwundert es nicht, dass die neue SPD-Generalsekretärin Katarina Barley schon vor ihrem Amtsantritt verkündete, künftig vor allem Frauen ansprechen zu wollen. Dass aber SPD-Chef Sigmar Gabriel irgendwann gemeinsam mit einer Frau die Geschäfte der Partei führen könnte, das glaubt bei den Genossen kaum jemand. Es scheint zu unwahrscheinlich, dass er bereit wäre, seine Macht zu teilen.

Die SPD werde als „Männerpartei“ wahrgenommen, bekennt die Parteischule im Willy-Brandt-Haus selbstkritisch. Das hänge auch mit (gefühlt) fehlender Repräsentanz von Frauen innerhalb der SPD zusammen. „Traditionelle Strukturen scheinen offenbar immer noch dafür zu sorgen, dass Frauen in unserer Partei ihre Stärken zu wenig ausspielen können oder deutlich sichtbar sind“, analysiert die Parteischule – und bietet darum das Programm „Frauen an die Macht“ an.

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