SPD-Vize Beck distanziert sich von Führungsanspruch des Kanzlers
Beck rückt von Schröder ab

Der stellvertretende SPD-Chef Kurt Beck hat den von Bundeskanzler Gerhard Schröder erhobenen Anspruch auf Verbleib im Kanzleramt in Frage gestellt. Beck ist damit bislang der höchstrangige SPD-Politiker, der von Schröders Forderung abrückt.

HB BERLIN. Auf die Frage, ob eine große Koalition von SPD und Union auch ohne Schröder an der Spitze denkbar wäre, sagte Beck dem Magazin "Focus" in einem am Samstag veröffentlichten Interview: "In einer Demokratie sollte man niemals nie sagen." Wenn es in einer politischen Konstellation genügend Schnittmengen gebe, könne auch über Personal geredet werden. "Aber wir werden nicht von vornherein sagen, dass wir bereit sind, diesen Schritt zu machen", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident.

Er deutete an, dass Schröders Beharren auf die Kanzlerschaft womöglich auch Taktik im Ringen um die Regierungsbildung sei. "Ein bisschen Spiel ist anfangs immer dabei", sagte Beck. "Aber vergangene Woche haben die Gespräche zwischen SPD und Union begonnen. Jetzt werden wir sehen, was zwischen den beiden Parteien geht und was nicht."

Beck bekräftigte allerdings, Schröder wäre der beste Kanzler. "Auf dieses Ziel arbeiten wir hin." Es wäre ihm am liebsten, wenn Deutschland von der SPD regiert würde, sagte Beck. "Aber das ist nicht die allerhöchste Interessenlage." Der SPD-Parteivize schloss auch eine große Koalition von Union und SPD mit wechselnder Kanzlerschaft nicht aus. "Wenn wir alles ausschließen, haben wir am Ende keine Spielmasse mehr."

Führungsanspruch wird noch bekräftigt

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ludwig Stiegler, bekräftigte dagegen wie andere führende SPD-Politiker Schröders Führungsanspruch. "Eine große Koalition ohne Schröder wäre keine stabile Koalition", sagte er der "Bild am Sonntag". "Niemand weit und breit hat seine Führungskraft - nicht nur in der SPD, sondern auch für die ganze Koalition."

Union und SPD haben nach ersten Sondierungsgesprächen für kommenden Mittwoch weitere Beratungen über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen geplant. Die Gespräche werden dadurch erschwert, dass Unions-Spitzenkandidaten Angela Merkel und Schröder jeweils die Kanzlerschaft für sich beanspruchen.

Nach einem Bericht des Fernsehsenders RTL strebt Schröder in einer großen Koalition ein Modell wechselnder Kanzlerschaften an, nach dem er für die erste Hälfte der neuen Wahlperiode im Amt bleibt und Merkel oder ein anderer Unions-Kandidat für die zweite Hälfte die Regierungsgeschäfte übernimmt. Diesen Vorschlag wies die Unionsspitze zurück. Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel appellierte im Deutschlandfunk an Merkel und Schröder, notfalls ihre Ansprüche aufzugeben.

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