„So unbeliebt war Deutschland seit Jahrzehnten nicht“

SPD-Vorwürfe gegen Merkel
„So unbeliebt war Deutschland seit Jahrzehnten nicht“

In Europa ist Deutschland derzeit nicht überall beliebt. Das liegt nach Ansicht mehrerer SPD-Politiker am Auftreten von Bundeskanzlerin Merkel. Doch bei ihrer Kritik ziehen die Politiker eine klare Grenze.

BerlinSPD-Politiker haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür verantwortlich gemacht, dass der Unmut über Deutschlands Rolle in der Euro-Krise wächst. Die Regierung Merkel habe zu dieser Entwicklung „selbst kräftig beigetragen“, sagte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, Handelsblatt Online.

„Immer wieder aus innenpolitischem Kalkül Ressentiments gegen einzelne Länder wie Griechenland und andere zu schüren – anfangs gemeinsam mit dem bereits abgewählten Herrn Sarkozy – und jetzt offenkundig auch zunächst die Enteignung von Kleinanlegern gebilligt zu haben, bleibt eben nicht unbemerkt.“

Fehlanzeige dagegen beim Kampf für Wachstum und gegen Jugendarbeitslosigkeit oder für eine europäische Spekulationssteuer. Dazu dränge in Deutschland immer die SPD, betonte das SPD-Bundesvorstandsmitglied.

„So unbeliebt in Europa wie unter Kanzlerin Merkel war Deutschland seit Jahrzehnten nicht“, sagte Stegner weiter. „Das kann nicht nur an den anderen liegen, und eine rot-grüne Regierung wird das im deutschen wie europäischen Interesse wieder zu verbessern wissen.“

Der europapolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Roth, sagte Handelsblatt Online: "Jetzt rächt sich eben, dass die Bundeskanzlerin mit oberlehrerhafter Attitüde auftrat und lange Zeit jedes Mitgefühl gegenüber den Leidtragenden der drastischen Kürzungspolitik in den Krisenstaaten vermissen ließ."

Hinzu kämen "beschämende Aussagen" von Mitgliedern der Regierungskoalition wie denen des CSU-Generalsekretärs Alexander Dobrindt oder von Unions-Fraktionschef Volker Kauder. Dieser hatte im November 2011 mit Blick auf den Umstand, dass Länder wie Spanien oder Frankreich Beschlüsse nach dem Vorbild der deutschen Schuldenbremse gefasst haben, erklärt: "Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen."

Roth sagte dazu: "So etwas wird eben bei unseren Partnern sehr aufmerksam registriert. Wer sich wie Frau Merkel lange Zeit als Chefin im Ring der EU-Akteure feiern lässt, kann sich jetzt nicht auf ein politisches Miniformat schrumpfen lassen und den Eindruck erwecken, sie hätte mit der Austeritätspolitik nichts zu tun." Dennoch seien Beleidigungen und Gleichsetzungen von Mitgliedern der Bundesregierung mit Nazis, wie jüngst bei einer Demonstration in Zypern, als Merkel mit Adolf Hitler verglichen wurde, "völlig inakzeptabel".

Kommentare zu "„So unbeliebt war Deutschland seit Jahrzehnten nicht“"

Alle Kommentare
  • @Vicario: Das ein Ausstieg aus der Eurozone nicht vorgesehen ist und auch deren komplette Auflösung nicht, ist doch schon heute abzusehen, dass sich Deutschland dies nur richtig teuer erkaufen kann. Außer Luftschlössern habe ich dazu von der AfD und anderen Auflösungsbefürwortern noch nichts gehört. Denn auch die AfD kann an der verfahrenen Konstellation nichts ändern. Oder will sie die Auflösung mit Waffengewalt forcieren? (btw. ich glaube nicht, dass es zum Krieg kommt, selbst wenn der Euro bliebe) Als eine echte Oppositionspartei, die den Etablierten in ökonomischen Fragen mal etwas Druck macht, erfüllt die neue Partei aber schon ihren Zweck.
    Ebenso frohe Ostern!

  • @ Nachrechner

    Zitat : Mein Gefühl (und ich glaube mehr als Gefühl kann man hier nicht haben) ist, dass die Kosten für Deutschland im Durchwursteln und Reparatur der Eurozone geringer sind als in der sofortigen Auflösung.

    - hier liegt ihr Denkfehler. Durchwursteln und reparieren ( auf Sicht von mehr als 50 Jahre...wenn überhaupt ) werden leider nicht zum ENDSIEG führen..., werden aber noch sehr viel Unheil anrichten !

    Ein geordneter Ausstieg aus Fehlern, die man einsieht, ist allemal besser als dieses Durchwursteln.

    Der € ist eine Misgeburt, der Europa spaltet, Hass und Armut erzeugt, und im ungünstigsten Fall auch noch zum GAU (Krieg) führen kann !

    Das Problem der Lösung des Problems liegt, wie oft, in der verlogenen Politik. Die herrschende Kaste ( Nomenklatura ) kann aus den ihrerseits gesetzten Zwängen nicht heraus......deshalb muss ein AUSTAUSCH vorgenommen werden !

    Abhilfe kann im September nur mit Alternativen geschaffen werden.

    Frohe Ostern noch !

  • @Vicario: Natürlich sind alle Fehler schon gemacht. Wären die Maastrichtkriterien immer eingehalten worden (insbesondere auch von Deutschland), wäre heute alles klar. Nur hilft es heute nicht darüber zu lamentieren, dass wir den Euro in seiner heutigen Form haben. Er ist Fakt und legitimiert von demokratisch gewählten Regierungen auf Basis (leider) zum Teil geschönten Statistiken. Fakt ist auch, dass die Kosten eines Auseinanderfallens kaum abzuschätzen sind. Mein Gefühl (und ich glaube mehr als Gefühl kann man hier nicht haben) ist, dass die Kosten für Deutschland im Durchwursteln und Reparatur der Eurozone geringer sind als in der sofortigen Auflösung. Im Falle der Auflösung sind Target 2 Salden der Bundesbank, Euroschulden von Ländern, die dann Weichwährungen bekommen, und Haftungsübernahmen für ESM & Co fällig. Das wird kaum verkraftbar.

    Das die langsame Reparatur des Euros in den PIGS-Ländern keine Jubelstürme hervorruft ist allerdings auch wenig verwunderlich. Ein Junkie auf Entzug macht auch keine Freudensprünge. Es gilt halt die Devise, einen Tod muss man sterben. Mit Endsieg hat das rein gar nicht zu tun. Den Sieger gibt es in diesem Spiel schon lange nicht mehr. Hier geht es nur noch um Verlustminimierung.

  • @ Nachrechner


    Zitat : Nur haben sich die PIGS-Staaten ihr Desaster schon selbst zuzuschreiben. Hohe Staatsverschuldung, ausufernde Staatsapparate, exorbitante Lohnsteigerungen zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit und politisch geförderter Immobilienboom als Treiber des Wirtschaftswachstums hat Deutschland diesen Ländern nicht aufgezwungen.

    - Ihre Auslegungen sind alle richtig ! Und Deutschland hat all die Sachen den Olivenländern auch nicht aufgezwungen.
    Der Fehler Deutschlands ist ein anderer. Der Fehler Deutschlands ist die Gründung einer utopischen Union und des €-Raumes mit diesen wirtschaftlich unterentwickelten Ländern. Und D hat gewusst, mit wen es sich einlässt !

    Und die Beseitigung der Mankos im Club - Med würde mindestens 50 Jahre lang dauern und auf Kosten unseres Wohlstandes und zunehmenden Hasses gegen D gehen.

    Die Nomenklatura ( SPD,CDU,FDP,LINKE,GRÜNE ) will den ENDSIEG,
    den es nicht geben wird ! Wie 1945 ! Und das müssen diese Ideologen und Blender so langsam kapieren. Und wenn sie es nicht kapieren, werden sie gestoppt. Im September kommt der Anfang des Wahnsinns-stopps.

  • @Vicario: Sie verwechseln da Bewunderung und Beliebtheit. Das Deutschland als Paymaster der Eurozone (wie von der englischsprachigen Presse häufig verwendet) keinen Preis für Beliebtheit gewinnt ist klar. Nur haben sich die PIGS-Staaten ihr Desaster schon selbst zuzuschreiben. Hohe Staatsverschuldung, ausufernde Staatsapparate, exorbitante Lohnsteigerungen zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit und politisch geförderter Immobilienboom als Treiber des Wirtschaftswachstums hat Deutschland diesen Ländern nicht aufgezwungen. Die Suppe müssen die PIGS-Staaten schon allein auslöffeln. Das die Eurokrise ein Desaster ist und das im Vorfeld eklatante Fehler gemacht wurden ist klar, aber der Point of no Return ist auch längst passiert und jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Den Beliebtheitspreis gewinnen wir dann sicher mit Gabriel/Steinbrück und der Einführung von Eurobonds. Wenn wir etwas retten wollen, muss halt hart verhandelt werden.

  • @ Nachrechner

    Zitat : : Den gesunden Menschenverstand sollten Sie und die Mehrheit der hier postenden Kommentatoren anschalten

    :-)

    Zitat : Dass wir in den PIGS-Ländern nicht beliebt sind, obwohl wir 27% der Rettungsmittel stemmen, ist allein dem sicherlich schmerzhaften Prozess geschuldet

    - Mein gesunder Menschenverstand sagt mir hier, das es bei den 27 % bei weitem nicht bleiben wird.......Dank € und Dank EUtopia !
    Hätten wir diesen Pervesling € nicht und hätten wir 0% Rettungsmittel gestemmt, wären wir bei den Südländern auf der gleichen Beliebtheitsscala, wie vor Einführung diese Schandwährung !

    Zitat : Sprechen Sie mal mit Chinesen, Koreanern, Amerikanern über das Ansehen Deutschlands und Sie werden feststellen, dass Deutschland aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke, innovativen Produkten und politischen Stabilität bewundert wird

    - da ich im internationalen Business zu Hause bin, spreche ich seit Jahrzehnten mit diesen Ländern. Die Bewunderung dieser Länder hat sich keinen Deut innerhalb der letzten 50 Jahren zu Deutschland verändert.
    Aber der Hass unserer Europäischer Nachbarn auf das arrogante, dilettantische €-Deutschland ist exponentiell gestiegen......

    Merkle, Schäuble und BILDzeitung sei Dank !!!

  • @Vicario: Den gesunden Menschenverstand sollten Sie und die Mehrheit der hier postenden Kommentatoren anschalten. Dass wir in den PIGS-Ländern nicht beliebt sind, obwohl wir 27% der Rettungsmittel stemmen, ist allein dem sicherlich schmerzhaften Prozess geschuldet, den diese Ländern, nach Jahren des über die eigenen Verhältnisse leben, nun durchleben. Die überdimensionierten, ineffizienten Staatsapparate, exorbitante Lohnsteigerungen der letzten Jahre einhergehend mit mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit sowie aufgeblähte Immobilien- und Bankensektoren haben sich die PIGS-Länder aber ausschließlich selbst zuzuschreiben.

    Für das globale Ansehen Deutschlands in der Welt spielen allerdings Länder wie Portugal, Griechenland und Spanien kaum eine Rolle. Und das ist auch gut so. Die verbale Selbstkasteiung, die hier von zahlreichen Foristen gepflegt wird, ist ja mittlerweile an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und zeigt deutlich die Scheuklappen auf, die hier im Lande viele Leute tragen. Sprechen Sie mal mit Chinesen, Koreanern, Amerikanern über das Ansehen Deutschlands und Sie werden feststellen, dass Deutschland aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke, innovativen Produkten und politischen Stabilität bewundert wird. Und das zu Recht!

  • @ Rechner

    Zitat : "Germany, the most positively regarded nation last year, saw its positive ratings drop from 60% to 56%, putting it in second place behind Japan, which rose 2% to 58%."

    So schlimm scheint es mit der Unbeliebtheit nicht zu sein, wie die Sozialdemagogen glauben machen wollen

    - Ihre Fantastereien mit den Statistiken führen wohl zum ad absurdum....?

    Was nützt ihnen eine 100 %-e Beliebtheit in Kongo, Panama oder Nord-Korea, wenn Sie in Portugal, Griechenland, Zypern keine Lust mehr haben, eine Urlaubsreise vorzunehmen ?

    Versuchen Sie doch mal von EUROstat abzukommen und den gesunden Menschenverstand einzusetzen....?

  • O-Ton Sozialdemagogen
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    SPD-Vorwürfe gegen Merkel: „So unbeliebt war Deutschland seit Jahrzehnten nicht“
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    Laut der weltweiten Länderpopularitätsumfrage, die der BBC jährlich in Auftrag gibt, ist Deutschland letztes Jahr vom weltweit beliebtesten Land zum zweitbeliebtesten geworden.

    "Germany, the most positively regarded nation last year, saw its positive ratings drop from 60% to 56%, putting it in second place behind Japan, which rose 2% to 58%."

    So schlimm scheint es mit der Unbeliebtheit nicht zu sein, wie die Sozialdemagogen glauben machen wollen.

    Andrerseits kann Beliebtheit ein teurer Spaß sein - wenn sie nämlich auf allgemeiner Zahlmeisterschaft beruht.

    In diesem Fall bin ich lieber respektiert als beliebt.

    ...

    Das Geheule der Sozialdemagogen über angeblich mangelnde Beliebtheit ist nichts weiter als ein Appell an die niederen Instinkte: Feigheit und Unterwürfigkeit.

    Und damit ein weiteres Indiz ihrer charakterlichen Minderwertigkeit.

  • Wer etwas ändern will, muss mit der Änderung beginnen. Die "Alternative für Deutschland" bietet endlich die Chance, dem Euro-Irrsinn die Stirn zu zeigen. Die verkrusteten Altparteien, die sich nicht im Bürgersinn bewegen, brauchen massiven Gegenwind durch die Alternative. Viele Millionen enttäuschte Bürger sollten ihre Stimme der neuen Alternative geben, denn Merkel hat keine.

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