SPD-Wahlkampf
Kehlig, kernig, knackig – Schröder

Nur besonders engen Freunden eilt er zu Hilfe. Und wenn Gerhard Schröder dann austeilt, bleibt selbst manchem Sozialdemokraten die Spucke weg. Wahlkampf ist eben auch Show. Keiner weiß das besser als der einstige Basta-Kanzler - auch vier Jahre nach seinem Abschied aus der Politik.

METTMANN. Die letzten 30 Meter geht Gerhard Schröder zu Fuß. Das kommt besser für die TV-Kameras, die vor der Halle auf ihn warten. Das wirkt dynamisch, energisch, zielgerichtet, wie der Altkanzler, flankiert von ein paar Bodyguards, die Rockschöße flattern lässt und zu seinem Auftritt in der Neandertalhalle in Mettmann bei Düsseldorf strebt. Noch ehe er die Medienleute erreicht, kritzelt Schröder schnell noch einem Fan ein Autogramm auf einen Zettel und lässt in seinem braun gebrannten Gesicht das Siegerlächeln aufflammen. Ich bin?s, der Gerd.

Wahlkampf ist Show. Jedes Bild, jede Geste zählt, keiner weiß das besser als Schröder. Und auch vier Jahre nach seinem Abschied aus der Politik, so scheint es, beherrscht das immer noch keiner so gut wie er. Nicht in seiner SPD, und auch sonst nirgendwo im politischen Schwarz-gelb-grün-rot-Land. Weil sie gerade das an ihm fürchten in seiner SPD, hat sich Schröder rausgehalten aus dem Bundestagswahlkampf - um seinem Freund Frank-Walter Steinmeier bloß nicht die Schau zu stehlen. Um nicht den Abstand zwischen ihm, der sich im Wahlkampfgetümmel genüsslich suhlt, und dem Kanzlerkandidaten, der Wahlkampfscharmützel eher stoisch erträgt, zu unterstreichen.

Aber dreimal kann es Schröder doch nicht lassen, vor ein paar Wochen trat er im westfälischen Lübbecke auf, gestern Abend in Mettmann und heute in Bielefeld. Nur besonders engen Freunden eilt er zu Hilfe. Aber wer Schröder dabei erlebt, der könnte meinen, der Wahlkampf anno 2009 habe nur diese drei Höhepunkte. Was natürlich auch daran liegt, dass die echten Wahlkämpfer gar keine Wahlshow wollen - oder können.

Hierher nach Mettmann hat Peer Steinbrück den Altkanzler eingeladen, es ist der Wahlkreis des Finanzministers. Die Halle füllen 500 SPD-Schlachtenbummler. Graue Schöpfe und Blümchenblusen stehen für die gute, alte Traditions-SPD; Dolce&Gabbana-Brillen für die "neue Mitte", bei der die SPD derzeit recht alt aussieht. SPD SPD-Windrädchen-Feuerzeuge, und SPD-Broschüren gibt?s umsonst. Altbier, Frikadellen und Frank-Walter-Steinmeier-Anstecknadeln sind zu bezahlen, letztere gibt es für einen Euro.

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