SPD-Wahlkampf
Steinmeier sucht Frau zu Guttenberg

Wirtschaftskompetenz könnte den Wahlkampf entscheiden. Das weiß auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und sucht für sein „Kompetenzteam“ einen Gegenpol zu CSU-Strahlemann Karl-Theodor zu Guttenberg – wenn möglich eine Frau. Doch seiner Partei fehlen die jungen, kompetenten Unternehmerinnen.

BERLIN. Kaum ist der SPD-Parteitag verstrichen, da dominiert im Lager von Frank-Walter Steinmeier ein Thema: Wie kann die Partei die Spannung über die Sommerferien halten und vor allem: Welche Köpfe sollen im Wahlkampf die wichtigen Themen glaubhaft verkörpern?

Es geht um das „Kompetenzteam“. Seit vielen Wochen denkt der Kanzlerkandidat darüber nach und redet nur mit wenigen darüber. In dieser Woche, so heißt es nun, soll seine Liste fertig werden. Es fehlt nur eine Antwort: Wer tritt gegen den bayerischen Strahlemann der Union, Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, an?

„Der Gegenspieler wird Peer Steinbrück sein“, mutmaßt der designierte Chef der Bayern-SPD, Florian Pronold. Möglich, aber Steinmeier schwebt anderes vor: jung, charismatisch, wirtschaftskompetent – und weiblich. Eine Frau zu Guttenberg gewissermaßen, gerne auch eine Unternehmerin, die glaubhaft vermittelt, dass der wirtschaftspolitische Kurs der SPD aus der Krise führt. Es heißt, gefunden habe er sie noch nicht.

Die Lage ist für Steinmeier so schwer wie für Angela Merkel 2005. Damals suchte die Herausforderin von Kanzler Gerhard Schröder lange einen Finanzminister. Sie nahm Paul Kirchhof in ihr neunköpfiges Team – der „Professor aus Heidelberg“ (O-Ton Schröder) wurde zum Bumerang für Merkel.

Jetzt, in der Krise, entscheidet Wirtschaftskompetenz. „Allein mit dem Programm werden wir es nicht schaffen“, sagt Steinmeiers Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser, der in Nürnberg, der Heimat der Arcandor-Tochter Quelle, um Stimmen kämpft. „Man braucht auch Köpfe.“

Weiblich soll Steinmeiers Mannschaft sein. Denn der Partei fehlen kompetente und junge, attraktive Frauen, die jene städtischen Milieus überzeugen, die heute lieber Grün wählen. Als Wahlkämpfer jedenfalls wirbt der Kandidat – wie gestern vor der Wirtschaftselite des Landes – für Frauen in Führungsämtern.

Zwei Frauen werden bereits als heiße Kandidatinnen für sein Team gehandelt: Doris Ahnen (45), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz, und Jutta Allmendinger (52), Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin. Die Soziologin gilt als Expertin für die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt und wäre das Pendant zu Familienministerin Ursula von der Leyen, Ahnen das zu Bildungsministerin Annette Schavan. Diese und andere Themen, wie etwa Integration, sollen dann eng mit einer dritten Frau, der „Frau zu Guttenberg“, verzahnt werden.

Merkel hatte 2005 bis Mitte August gewartet, bevor sie ihr Team vorstellte. So viel Zeit bleibt Steinmeier angesichts der miserablen Umfragewerte nicht. Zum einen wünschen sich die Kandidaten in den Wahlkreisen neben der aktuellen Parteiprominenz frische Köpfe für ihre Veranstaltungen. Zum anderen präsentiert die Union Ende Juni ihr Wahlprogramm. Steinmeier könnte rund um den Termin nach und nach seine Mitglieder und mit ihnen seine inhaltliche Position präsentieren, heißt es – und so die Schlagzeilen bestimmen. Ab dem 8. August will die SPD dann Wahlplakate aufstellen.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent
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