SPD
Wie Merkels Sprecher Steinmeier helfen will

Ausgerechnet Angela Merkels Vize-Regierungssprecher Thomas Steg soll nun den Bundestagswahlkampf der SPD leiten. Die hat schließlich jede Hilfe nötig. Doch Steg stellt Bedingungen - an seinen neuen Chef Frank-Walter Steinmeier.

BERLIN. Thomas Steg thront, umrahmt von den Sprechern mehrerer Ministerien, vor der blauen Wand der Bundespressekonferenz. Wie an jedem Montag ist hier in Berlin scheinbar alles beim Alten. Akkurat gekleidet, die Glatze glänzt wie immer, in den Händen hält der Vize-Regierungssprecher seine Sprechzettel zu Afghanistan, Amerika, der EU. Business as usual, könnte man meinen.

In Wirklichkeit dreht sich heute alles um ihn selbst, Steg, den stellvertretenden Regierungssprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Der nämlich, ist durchgesickert, wechselt zum Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD). Nicht erst nach der Wahl im September - nein: jetzt, sofort.

Der 49-jährige Steg ist seit Ende der 70er-Jahre eingetragener Sozialdemokrat, er stammt aus Braunschweig, er war einst Redenschreiber von Gerhard Schröder, bevor er 2002 dessen stellvertretender Regierungssprecher wird. In dieser Zeit hilft er dem SPD-Kanzler beim Wahlkämpfen. Dennoch spricht er nach dem Machtwechsel auch für die CDU-Nachfolgerin Angela Merkel. In der Großen Koalition, darauf hat man sich geeinigt, bestellt eben jede Partei einen Sprecher. Zwar nimmt Steg nicht an vertraulichen Runden der Kanzlerin teil, dafür aber an jeder Präsidiumssitzung der SPD-Spitze.

Merkels Vertrauen genießt er trotzdem. Schließlich gilt der Pfeifenraucher als einer der besten politischen Kommunikatoren.

Ausgerechnet ihn soll nun Merkel freigeben, damit er der SPD im bislang desaströs verlaufenden Wahljahr aus dem Tief hilft?

In der Bundespressekonferenz antwortet der Sprecher von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gerade auf Fragen zum Störfall im Atomkraftwerk Krümmel. Er feuert die Wahlkampfkanonade seines Ministers gegen die Union ab. Dann fragt einer herausfordernd, wie es denn die Kanzlerin mit der Atomenergie halte. Herr Steg?

Als SPD-Mitglied hätte Steg sofort losgeschossen, kein anderes Thema trennt Union und SPD mehr als die Atomkraft. Als Regierungssprecher verschluckt Steg die SPD-Rhetorik und sagt mit regungslosem Gesicht, wie wichtig der Kanzlerin ein Energiemix sei. Dazu zähle "aus ihrer Sicht auch eine weitere Nutzung der Kernenergie". Jetzt nur nichts anmerken lassen. Während Gabriels Sprecher über die Atomaufsicht in Niedersachsen schimpft, schaut Thomas Steg in die Reihen, sieht, dass er beobachtet wird, und lacht.

Eigentlich wollte Steg für den Bundestag kandidieren, für Wolfsburg, nah bei seiner Familie und den Kindern. Sein Vater war Facharbeiter bei VW, die Mutter Hausfrau. Zwei Brüder hat er, der ältere betreibt eine Kneipe und war für die CDU früher Gemeindebürgermeister. Im September 2008 aber, wenige Tage, nachdem Steinmeier zum Kandidaten und Franz Müntefering zum neuen Parteichef ausgerufen wurde, entschied Steg, in Berlin zu bleiben. Die SPD braucht ihn. Das weiß er.

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