SPD-Zukunftskongress
Kein Halligalli

Die SPD hat zum Zukunftskongress nach Berlin geladen. Dabei: TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf. Doch wer Halligalli erwartete, wurde enttäuscht. Es gab viel Bedächtiges – und am Rande Werbung für Frank-Walter Steinmeier.

BerlinWer einen flapsig-spaßigen Polit-Talk erwartet hatte, der wurde am Sonntag im Berliner Willy-Brandt-Haus eines besseren belehrt. Die SPD hatte zum Zukunftskongress geladen, um über das Programm für die Bundestagswahl 2017 zu ventilieren. Publikumswirksam sollte hier Fernsehmoderator Klaas Heufer-Umlauf den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel befragen.

Doch das endete nicht etwa in einer TV-Show Marke „Circus HalliGalli“, sondern in einer bedachtsamen Unterredung. Ernsthaft und nachdrücklich fragte Heufer-Umlauf nach dem richtigen Umgang mit der AfD. Launige Einwürfe kamen allenfalls von Gabriel, der Heufer-Umlauf konsequent duzte, während dieser artig beim „Sie“ blieb.

„Die massenhafte Einwanderung nach Deutschland hat den Menschen Angst gemacht“, sagte Gabriel vor Hunderten SPD-Mitgliedern und Interessierten in der SPD-Zentrale. Ihnen müsse nun klargemacht werden, dass die Politik sie nicht vergesse. „Die Leute sagen, für die Bankenrettung habt ihr Milliarden, für die Flüchtlingskrise habt ihr Milliarden, aber um nach 40 Jahren eine anständige Rente zu zahlen, dafür ist kein Geld da“, erklärte Gabriel. Für die SPD müsse es darum gehen, eine soziale Politik für alle zu machen.

Ob es nicht gefährlich sei, wenn die SPD die AfD-Wähler zurückholen wolle, fragte Heufer-Umlauf. „Muss die SPD nicht eine klare, kompromisslose Alternative zur Politik der AfD sein, ohne jedes Aufweichen?“ Es sei falsch, einen Teil der Gesellschaft auszuschließen, hielt Gabriel dagegen. „Ich bin kein Gegner von Klarheit, aber von Rigorosität“, sagte Gabriel. Die Politik dürfe unangenehmen Fragen nicht aus dem Weg gehen.

Überall werde davon gesprochen, wie der anständige Bürger sein sollte, warf Heufer-Umlauf in die Debatte. Da müssten die Leute der SPD doch die Tür einrennen, meinte er als Anspielung auf die Umfragen, bei denen die Partei bleiern nur zwischen 21 und 23 Prozent liegt. „Machen sie doch“, witzelte Gabriel mit Blick auf die gut gefüllte Veranstaltung.

Kein Wort verloren Gabriel und Heufer-Umlauf indes über den Umstand, dass es noch keine Klarheit darüber gibt, wer die SPD in den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 führen soll. Als Parteichef hat Gabriel das „erste Zugriffsrecht“ auf die SPD-Kanzlerkandidatur. Allerdings hat er sich bislang noch nicht festgelegt, was Kritiker ihm zunehmend als Zaudern auslegen. Doch die K-Frage blieb außen vor.

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