Spekulationen um Schröder
Biete Jobgerücht für Altkanzler Schröder

In Berlin schießen die Spekulationen wild ins Kraut: Was macht Schröder künftig? Gerätselt wird in SPD-Kreisen, ob Schröder nicht vielleicht wahr macht, was er früher einmal im kleinen Kreise hatte anklingen lassen.

Erst hieß der neue Arbeitgeber angeblich Gazprom, dann war es die russische Firma Yuma, die die geplante Ostsee-Gaspipeline verlegt. Und jede Wette: Ab heute wird in Berlin als heißes Gerücht gehandelt, dass Gerhard Schröder künftig für den US-Konzern General Electric (GE) tätig wird – nur weil der Noch-Kanzler gestern Abend bei einer Veranstaltung der Amerikanischen Handelskammer eine Laudatio auf GE-Chef Jeffrey Immelt gehalten hat.

Der „Genosse der Bosse“ und die US-Wirtschaft – das passe schon irgendwie, heißt es dann. Schließlich war schon im Jahr 2003 über einen Wechsel Schröders zu US-Banken gerätselt worden, als er in New York auf den Citibank-Chef Sandy Weill getroffen war. Im Schatten der Koalitionsgespräche gehört das Rätselraten über die Zukunft des noch geschäftsführenden Kanzlers mittlerweile zur Dauerbeschäftigung in Berlin. Schuld ist nicht nur das chronisch klatschhafte journalistische Gewerbe, in dem Informationen einen Wert an sich haben – bis sie sich als falsch herausstellen. Die Frage ist durchaus berechtigt: Was wird eigentlich aus einem Altkanzler Gerhard Schröder? Schließlich wirkt der 61-Jährige noch so agil, dass nur wenige glauben wollen, dass er auf den Hinterbänken des Bundestages versauert.

Zwar hatte sich auch Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nach 16 Jahren Regierungszeit für vier Jahre als schweigender Abgeordneter dorthin geflüchtet – quasi als politisches Abklingbecken für die eigene politische Bedeutung. Aber anders als Schröder war Kohl damals auch nicht im Reinen mit seiner Partei.

Gerätselt wird in SPD-Kreisen, ob Schröder nicht vielleicht wahr macht, was er früher einmal im kleinen Kreise hatte anklingen lassen: Er könne sich ja nach seiner Amtszeit um die Reform des Adoptivrechts kümmern. Schließlich hat ihn dieses Thema angesichts eigener Erfahrungen bei der Adoption des kleinen russischen Waisenkindes Victoria bewegt. Spekuliert wird auch über ein Buch oder Vortragsreisen.

„Papa, hol das Geld künftig in Hannover ab, nicht Berlin“

Aber weil noch nicht feststeht, was Schröder machen wird, köchelt die Gerüchteküche mächtig weiter. Alles haltlose Spekulationen, seufzt Noch-Regierungssprecher Béla Anda. „In den vergangenen Wochen ist der Kanzler von interessierter Seite mit einer Vielzahl von Unternehmen in Verbindung gebracht worden.“

Richtig ins Kraut schießen können die Spekulationen in der kommenden Woche. Dann kommt der chinesische Präsident Hu Jintao: Verschwörungsfans dürften daran erinnern, dass Schröder sich doch für die umstrittene Aufhebung des EU-Waffenembargos eingesetzt habe. War das nur Zufall? Andas nächster Seufzer ist programmiert.

Nur eine Person scheint sehr entschieden, was seine Zukunft angeht: „Papa, hol das Geld künftig in Hannover ab, nicht Berlin“, soll die kleine Victoria ihm nach der Bundestagswahl gesagt habe, erzählte Schröder zur Erheiterung im SPD-Präsidium vor zwei Wochen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%