Spekulationen um Zusammenhang mit Osthoff-Freilassung
Terrorist Hammadi ist wieder frei

Der wegen Mordes an einem US-Bürger und Flugzeugentführung in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilte Libanese Mohammad Ali Hammadi ist nach fast zwei Jahrzehnten aus einem deutschen Gefängnis entlassen worden. Das Auswärtige Amt wies Spekulationen zurück, dass es einen Zusammenhang mit der Freilassung von Susanne Osthoff im Irak geben könnte.

HB FRANKFURT/MAIN. Hammadi, der der radikalislamischen Hisbollah (Partei Gottes) angehört, sei bereits in der vergangenen Woche nach 19 Jahren Haft freigekommen und ausgereist, sagte eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main. Die Hisbollah unterstützt nach Einschätzung der USA den gewaltsamen Widerstand im Irak.

In Diplomatenkreisen in Berlin hieß es, Hammadi sei frei gekommen, obwohl der Bundesregierung das Interesse der US-Regierung an einer Auslieferung in die USA bekannt gewesen sei. Die Bundesregierung wollte sich zu den Umständen der Freilassung nicht äußern. Die Sprecherin des Justizministeriums, Eva Schmierer, verwies auf die Zuständigkeit der hessischen Behörden. Ein Auslieferungsersuchen der USA habe es nicht gegeben.

Aus Justizkreisen verlautete, Hammadi sei bereits am vergangenen Donnerstag freigelassen und am Freitag in die libanesische Hauptstadt Beirut ausgeflogen worden. Die Haftentlassung Hammadis steht damit in direktem zeitlichen Zusammenhang mit der Befreiung der 43-Jährigen Osthoff, die am Sonntagabend von der Bundesregierung bekannt gegeben worden war. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen beiden Fällen“, versicherte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger. Auch die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft betonte, die Freilassung sei nach einer üblichen Überprüfung der Haftdauer beschlossen worden. „So eine Entlassung geht nicht von heute auf morgen.“ Schmierer sagte, die Entscheidung über die Haftentlassung sei ausschließlich von der zuständigen Frankfurter Strafkammer getroffen worden.

Die US-Botschaft in Berlin wollte sich zunächst nicht äußern. In Diplomatenkreisen hieß es aber, die Bundesregierung habe gewusst, dass die USA Hammadi überstellt haben wollten. Hammadi steht in den USA unter Anklage wegen des Mordes an dem amerikanischen Kampftaucher Robert Dean Stethem, einer der Geiseln an Bord der von Hammadi und seinem Komplizen 1985 von Athen nach Beirut entführten TWA-Maschine. Den Diplomaten zufolge könnte die Freilassung Hammadis die amerikanisch-deutschen Beziehungen belasten, die eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus vereinbart haben. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen war ein ranghoher deutscher Geheimdienstler zu Anfang des Monats in die syrische Hauptstadt Damaskus gereist. Einzelheiten über den Reisezweck waren nicht zu erfahren. Syrien ist der wichtigste Unterstützer der Hisbollah.

Hammadi war 1987 auf dem Frankfurter Flughafen mit Flüssigsprengstoff im Gepäck festgenommen worden. 1989 wurde er in Frankfurt wegen der Entführung der TWA und der Ermordung Stethems zu lebenslanger Haft verurteilt. Während des Prozesses räumte Hammadi ein, dass die Geiselnahme im Auftrag der pro-iranischen Hisbollah geschehen sei. Ziel sei es gewesen, die Freilassung von 700 schiitischen Gefangenen in Israel zu erpressen. Sein Bruder Abbas Ali war zu 13 Jahren Haft verurteilt worden, weil er mit der Planung der Entführung zweier deutscher Staatsbürger im Libanon versucht hatte, seinen Bruder freizupressen. Er war nach Verbüßung seiner Haftstrafe freigelassen worden.

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