Spionageverdacht
Polizei durchsucht Räume von Ditib-Geistlichen

  • 0

„Erdogans Spione“

Ditib war in der Vergangenheit ein enger Ansprechpartner für die Politik in Deutschland. Zuletzt stellten jedoch einige Bundesländer die Zusammenarbeit infrage. Kritiker werfen Ditib eine zunehmend konservative, der türkischen Regierungspolitik entsprechende Haltung vor.

Die Bundesanwaltschaft erklärte, die Aufforderung von Diyanet zur Spionage sei verbunden gewesen mit der Feststellung, dass die Bewegung des in den USA im Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch in der Türkei im vergangenen Juli verantwortlich sei. Gegen die vier Geistlichen werde wegen des Verdachts auf geheimdienstliche Agententätigkeit ermittelt.

Nach Angaben von Sprecherin Frauke Köhler gab es keine Festnahmen. Ein Ermittlungsrichter sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Voraussetzungen für einen Haftbefehl nicht vorlägen. Ausgangspunkt der Durchsuchungsmaßnahmen waren laut Köhler eine Strafanzeige des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck sowie ergänzend dazu eingeholte Erkenntnisse beim Bundesamt für Verfassungsschutz sowie dem BND.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ist wegen zahlreicher Differenzen ohnehin gespannt. Die Ditib gilt als mit Abstand größte muslimische Organisation in Deutschland. Sie vertritt als Dachverband nach eigenen Angaben über 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime in 900 Gemeinden. Die „Diyanet Isleri Türk Islam Birligi“ (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) bekennt sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und ist laut ihrer Homepage überparteilich.

Die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen kritisierte, die Durchsuchungen bei „Erdogangs Spionen“ kämen spät, „wahrscheinlich zu spät“. Zahlreiche Ditib-Spitzel hätten sich dank des langen Stillhaltens der deutschen Behörden wohl in die Türkei absetzen und Beweise vernichten können.

Der Grünen-Politiker Beck attackierte Minister Maas. Der SPD-Politiker müsse erklären, warum von ihm nichts unternommen worden sei, damit sich verdächtige Imame der Strafverfolgung nicht durch Flucht entziehen konnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Spionageverdacht: Polizei durchsucht Räume von Ditib-Geistlichen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%