0 Bewertungen
02.06.2008 
Telekom-Skandal

Spitzelaffäre schwächt Speicherpflicht

Bundesregierung und Telekom-Branche sind sich einig: Beide sehen keinen Grund, rasch mit Gesetzesänderungen auf den Bespitzelungsskandal bei der Deutschen Telekom zu reagieren. Die Opposition nimmt hingegen den Skandal zu Anlass, das ihr verhasste Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung anzuprangern.

Die Regierung will einen ähnlichen Datenschutz-Skandal verhindern. Foto: apLupe

Die Regierung will einen ähnlichen Datenschutz-Skandal verhindern. Foto: ap

HB BERLIN. Es müsse jetzt ohne Hektik überlegt werden, „ob wir aus den Vorgängen gesetzgeberisch weiter Folgen ziehen müssen“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin.

Auch der Branchenverband Bitkom warnte vor Schnellschüssen. Die Vorgänge müssten zuerst untersucht werden, erklärte sein Präsident August-Wilhelm Scheer. „Anschließend muss man mögliche Konsequenzen diskutieren.“

Die Opposition kritisierte erneut die gesetzlich vorgeschriebenen Speicherung von Telefon-Daten.

Am Montag waren Vertreter der Branche auf Einladung des Bundesinnenministeriums mit Staatssekretär Hans Bernhard Beus zusammengekommen, um ihren Umgang mit dem Datenschutz zu erläutern.

Regierung und Branchenvertreter einigten sich dabei auf ein Verfahren zu möglichen Konsequenzen aus der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom. Zunächst solle die Telekom den Fachverbänden Bitkom und VATM ihre schon eingeleiteten Maßnahmen vorstellen, sagte Beus nach zweistündigen Treffen in Berlin.

Anfang Juli sollten die Fachgremien der Verbände und Vertreter staatlicher Stellen wie der Bundesnetzagentur über weitere Schritte beraten.

Telekom-Chef René Obermann nahm nach Angaben des Ministeriums nur zeitweise an dem Treffen teil. Zuvor habe er etwa eine Viertelstunde auch mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble über die Spitzelaffäre gesprochen. Zu dem Treffen im Ministerium waren auch Vertreter anderer Unternehmen eingeladen. Allerdings hatten die meisten abgesagt.

Nach den Worten von Staatssekretär Beus hat die Telekom bereits erste Konsequenzen für eine bessere Datensicherheit gezogen.

Die Bundesregierung hat bislang keine Erkenntnisse darüber, ob im Zuge der Bespitzelungsaffäre bei der Telekom auch Minister oder Staatssekretäre abgehört wurden. Regierungssprecher Wilhelm sagte, er selbst habe keine Hinweise darauf, dass auch Regierungsmitglieder betroffen seien.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Obermann: „Das ist eine Sauerei“.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar