Spitzengespräch
Bayern droht Kampfabstimmung um Stoiber-Nachfolge

Der bayerische Innenminister Beckstein hält eine Kampfabstimmung um die Nachfolge von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber für nahezu unausweichlich. Beckstein drängt auf eine schnelle Entscheidung. Einem Zeitungsbericht zufolge würde er derzeit knapp gewinnen.

HB MÜNCHEN. „Ich halte es für sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagte Günther Beckstein (CSU) auf die Frage, ob eine Kampfabstimmung zwischen ihm und Bayerns Staatskanzleichef Erwin Huber (CSU) für den Ministerpräsidentenposten noch vermeidbar sei. Er selbst werde an seiner Kandidatur auf jeden Fall festhalten.

Sollte es zu einer Kampfabstimmung kommen, wollen nach Informationen des "Münchner Merkur" mindestens 60 der 124 CSU-Landtagsabgeordneten für Innenminister Beckstein stimmen und 52 für den derzeitigen Staatskanzleichef Erwin Huber. Zwölf weitere Abgeordnete seien noch unentschlossen.

Stoiber traf am Vormittag in der bayerischen Staatskanzlei in München mit den beiden Kandidaten und CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann zusammen, um über das Vorgehen zu beraten. Herrmann sagte vor Beginn des Treffens, bei dem Gespräch solle das Verfahren festgelegt werden.

Ursprünglich wollte Stoiber die Nachfolgefrage erst regeln, wenn die Koalitionsverhandlungen über ein Bündnis aus Union und SPD in Berlin abgeschlossen sind. Zahlreiche CSU-Vertreter und auch Beckstein sprechen sich aber für eine rasche Entscheidung aus. Beckstein sagte, die Fraktionssitzung in der kommenden Woche wäre ein guter Zeitpunkt.

Der Nürnberger CSU-Landtagsabgeordnete Hermann Imhof forderte Stoiber in einem Interview der „Nürnberger Nachrichten“ auf, schon jetzt als Regierungschef zurückzutreten: „Stoiber muss den Weg freimachen für seinen Nachfolger“, sagte Imhof. „Verantwortliche Führung heißt jetzt, eine Entscheidung muss sofort herbeigeführt werden“, betonte der Abgeordnete. Ansonsten drohe der CSU-Fraktion eine Zerreißprobe, wenn sich die Nachfolgedebatte weiter verselbstständige.

Im Bayerischen Rundfunk hatte sich Beckstein zuvor auch offen für eine Mitgliederbefragung über Stoibers Nachfolge gezeigt. „Die Mitglieder einer Partei wollen beteiligt sein“, sagte er. „Sie sind natürlich diejenigen, die unmittelbar die Entscheidungen zu treffen haben und auch von den Entscheidungen betroffen sind.“

Allerdings würde sich damit die Klärung um mehrere Wochen verzögern. Deshalb wäre es auch vernünftig, die Entscheidung in der Landtagsfraktion zu fällen, deren Mitglieder sehr engen Kontakt zur Parteibasis hätten. Beckstein wird in der Münchner CSU-Fraktion größere Beliebtheit zugeschrieben als Huber, der einer der engsten Vertrauten Stoibers ist.

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