Spitzenkandidaten der Landtagswahl in Brandenburg
Platzeck der Retter - Schönbohm der Macher

Die SPD bangt um ihre Spitzenposition in Brandenburg. Der populäre Ministerpräsident Matthias Platzeck könnte die Niederlage abwenden. Für CDU-Spitzenkandidat Schönbohm würden nämlich nur 17 Prozent der Wähler stimmen.

HB POTSDAM. Bei der SPD hat Matthias Platzeck die Rolle des Retters in der Not. Dies scheint Platzecks Schicksal zu sein. Bei der Landtagswahl droht der SPD eine herbe Schlappe, die wohl nur der populäre Regierungschef (50) abwenden kann. Schon 1998 gab er das Amt des Umweltministers auf und ließ sich zum Oberbürgermeister in Potsdam wählen, um die drohende Machtübernahme der PDS in der Landeshauptstadt abzuwenden. Zwei Jahre später übernahm Platzeck den SPD-Landesvorsitz und verhinderte eine Zerreißprobe wegen Streits in der Parteiführung. Seit 2002 ist der Arztsohn Ministerpräsident und Amtsnachfolger Manfred Stolpes. Trotz etlicher Krisen hielt Platzeck bis zuletzt die große Koalition mit der CDU zusammen. Sollte er bei der Wahl am 19. September die Trendwende für die bundesweit kriselnde SPD schaffen, würde er sich für noch höhere Aufgaben empfehlen. Der geschiedene SPD-Politiker ist Vater dreier Töchter.

Brandenburgs CDU-Chef Jörg Schönbohm will es nach fünf Jahren großer Koalition wissen: Der 66-jährige frühere Bundeswehrgeneral hat seinen Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten angemeldet. „Ein Mann. Ein Wort. Schönbohm“, verkünden Großplakate. Als Landesvorsitzender hat er seit 1999 die zerstrittenen märkischen Christdemokraten zu neuer Geschlossenheit und Schlagkraft geführt. Im Bündnis mit der SPD war Schönbohm für die Gemeindegebiets- und Polizeireformen verantwortlich. Da der bekennende Wertkonservative gern sein Herz auf der Zunge trägt, blieben Spannungen mit dem Regierungspartner nicht aus. Dennoch gibt es für Schönbohm zur Fortsetzung der großen Koalition keine Alternative. Als Handicap des „Machers“ gilt seine mangelnde Popularität: Nur 17 Prozent der Wähler würden ihn laut Umfragen derzeit direkt zum Regierungschef wählen. Der CDU-Politiker hat eine Tochter und zwei Söhne.

Bei der PDS steht Dagmar Enkelmann als Vorkämpferin gegen Hartz IV an der Spitze. Im Straßenbild stechen ihre Wahlplakate zwischen den vielen Männerköpfen unweigerlich ins Auge: Dagmar Enkelmann - blond, hübsch, mal lachend, mal ernst und mahnend wirbt sie für die PDS. Als Mutter von drei Kindern habe sie gelernt, was Gerechtigkeit sei, heißt es da. Seit 1999 gehört die Spitzenkandidatin der Sozialisten dem Potsdamer Landtag an und hat sich dort vor allem als Umwelt- und Kommunalpolitikerin profiliert. Die ehemalige Geschichtslehrerin kämpft für mehr soziale Gerechtigkeit und macht scharf Front gegen die gerade im Osten unpopuläre Arbeitsmarktreform Hartz IV. Im Falle eines Wahlsieges will Enkelmann Brandenburgs erste Ministerpräsidentin werden.

Bündnis 90/Die Grünen schicken ein Spitzenduo ins Rennen: die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Cornelia Behm und Berlins früheren Justizsenator Wolfgang Wieland. Auch wenn beide gleichberechtigt auf Plakaten um Wählerstimmen werben, ist doch der 56-jährige Kreuzberger mit seiner geschliffenen Rhetorik das Zugpferd (Slogan: „Wieland in Sicht“). Er reibt sich bevorzugt an CDU- Innenminister Jörg Schönbohm, dem er die schärfste „Law-and-Order- Politik nördlich Bayerns“ vorwirft.

Heinz Lanfermann ist Spitzenkandidat der brandenburgischen FDP, die um den Einzug in den Landtag bangen muss. Lanfermann ist erst seit April 2003 Vorsitzender der brandenburgischen FDP. Immerhin gelang es dem 54-jährigen früheren Duisburger Richter und Staatssekretär im Bundesjustizministerium, die Präsenz der Liberalen deutlich zu steigern. Auf ihren Wahlplakaten empfiehlt sich die FDP mit Lanfermann als „Neue Kraft“.

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