Spitzenpolitiker
Sommerliche Trennungssehnsüchte der Parteien

Lächeln, Small Talk, Selbstbewusstsein demonstrieren - das Auftreten der unter ständiger Beobachtung stehenden Spitzenpolitiker auf der Sommer-Bühne gleicht sich. Wie sich SPD und Union bei den politischen Festen in Berlin aus dem Weg gehen - und der angeschlagene Kurt Beck demonstrative Präsenz zeigt.

BERLIN. Es wirkt wie der Einzug der Gladiatoren in die Arena. Als Kurt Beck und Peter Struck durch die Hofeinfahrt zum Sommerfest der SPD-Fraktion schreiten, wird ihr Schritt etwas fester, der Blick entschlossener. Vorne wartet ein Pulk an Kameras. Und beide wissen, was Beck gleich und danach noch viele Male an diesem Abend gefragt werden wird. Stimmen die Berichte über einen Rücktrittshinweis beim Auftritt in der SPD-Fraktion? "Die Agenturen irren. In dem Fall bin ich einfach nicht richtig wiedergegeben worden", sagt Beck mit fester Stimme. "Dummes Zeug", sekundiert Struck.

Damit ist schon am Eingang klar, was die Botschaft auf diesem Hoffest am Dienstagabend sein soll: "Beck ist back", die parteiinternen Querelen werden kurzerhand für beendet erklärt. Demonstrativ zieht der SPD-Vorsitzende durch das Gedränge auf der Berliner Sommer-Bühne. Das hat er am Tag zuvor auch bei den Festen Niedersachsens und des ZDF getan. Das wird er heute bei der "Bild" erneut tun. Auf keinen Fall wegducken, heißt die Devise.

Lächeln, Small Talk, Selbstbewusstsein demonstrieren - das sind derzeit ohnehin die Aufgaben der Spitzenpolitiker, die unter ständiger Beobachtung stehen. "Genau 113 Journalisten sind jetzt hier", ruft Struck den SPD-Abgeordneten bei der Begrüßung warnend zu - und gibt klare Anweisungen: "Ihr wisst alle, was ihr heute Abend gefragt werdet", sagt er mit Blick auf endlose Personaldebatten um Beck und einen möglichen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. "Ich rate, gebt nur drei Antworten: Erstens, das Wetter wird gut. Zweitens, Deutschland gewinnt gegen die Türkei. Und drittens, die SPD-Fraktion leistet gute Arbeit."

Gelächter folgt. Aber tatsächlich wählen die Partei-Granden Jahr für Jahr sorgsam die gewünschte Inszenierung: Denn die Sommerfeste sind die letzte Chance, die Bundestags-Abgeordneten vor der Sommerpause einzuordnen. Sie sind zugleich wichtige Pulsmesser für die Stimmung im hektischen Politikbetrieb.

Und die Trends 2008 sind klar erkennbar. Abgesehen vom politischen Überlebenskampf des Kurt Beck sind beide Volksparteien auf Abgrenzung gepolt. Vorbei die Zeit, in der sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem SPD-Hoffest zu Altkanzler Gerhard Schröder setzte und beim Rotwein den schwarz-roten Schulterschluss demonstrierte.

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