Deutschland

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Spitzensatz : Wie viel Steuern verträgt der Staat?

Ganze 47,5 Prozent beträgt die Steuerbelastung in Deutschland heute in der Spitze. Doch das ist offenbar noch immer nicht genug. Letzten Endes könnte der Fiskus allerdings selbst zum Verlierer werden.

Der Spitzensteuersatz ist längst nicht mehr nur für Top-Manager ein Thema. Quelle: dpa
Der Spitzensteuersatz ist längst nicht mehr nur für Top-Manager ein Thema. Quelle: dpa

DüsseldorfVor 17 Jahren definierte der damalige Verfassungsrichter Paul Kirchhof den Halbteilungsgrundsatz: Die Steuerbelastung von Erträgen sollte 50 Prozent nicht übersteigen, las der Rechtsgelehrte aus dem Grundgesetz heraus – und kippte daher die Vermögensteuer, die damals zusätzlich zum Spitzensteuersatz von 53 Prozent erhoben wurde.

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Heute beträgt der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer nur noch 42 Prozent – zumindest auf dem Papier.  Denn oben drauf kommt stets der Soli, der heute 5,5 Prozent der Steuerschuld beträgt. Nachdem Rot-Grün unter Gerhard Schröder mit beispiellosen Reformen den Spitzensteuersatz um elf Prozentpunkte gesenkten hatte, erfand die von Angela Merkel geführte Große Koalition 2007 zudem die „Reichensteuer“, die Einkommen ab 250 000 Euro mit drei Prozentpunkten zusätzlich belastet und dem Staat 1,3 Milliarden Euro pro Jahr beschert – angesichts von fast 200 Milliarden Euro Lohn- und Einkommensteueraufkommen wohl eher ein symbolischer Betrag.

Doch auch die Gesamtbelastung von 47,5 Prozent in der Spitze  ist der großen Steuererhöhungs-Koalition aus Linkspartei, SPD, Grüne und Teilen der CDU heute noch immer nicht genug. „Ungleichheit wird zu einem Problem, wenn es keinen Zusammenhang mehr gibt zwischen individuellem Einkommen und individueller Leistung“, sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert von der CDU – ganz so, als ob er ein rotes Parteibuch hätte. Und die SPD fordert ganz offen einen Spitzensatz von 49 Prozent. 

Haushaltspolitik

„Die Kehrtwende der SPD in der Steuerpolitik ist für mich ökonomisch nicht nachvollziehbar“, sagt der Ex-Chef des Sachverständigenrats Wolfgang Wiegard, selbst SPD-Mitglied. „Eigentlich könnte die SPD stolz sein. Unter Rot-Grün hat doch die Reformierung Deutschlands begonnen.“

Weite Teile der SPD erinnern sich heute nicht gerne an die Schröder-Ära. Vielmehr schielt man nach links auf den politischen Gegner, der mit klassischen Umverteilungsparolen punktet. Schon längst gehören höhere Steuern für Besserverdiener, Erben und Vermögende wieder zum SPD-Vokabular.

Dabei ist der Spitzensteuersatz schon längst nicht mehr nur für Top-Manager ein Thema. Während vor 50 Jahren der Spitzensatz ab dem 20fachen des Durchschnittseinkommens zum Tragen kam, zahlt ihn heute schon manch Facharbeiter. Nach einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamts für das Handelsblatt zahlen laut aktueller Einkommensteuerstatistik 1,74 Millionen Steuerpflichtige den Spitzensteuersatz, 659 000 Ehepaare und 1,08 Millionen einzeln Veranlagte. Diese Bürger zahlen 42 Prozent des Gesamtaufkommens.

  • 15.03.2012, 09:41 UhrJannemann

    Und Sie denken, die ganzen Gebühren und Steuern würden verschwinden, wenn die "Spitzenverdiener" in Zukunft mehr Abgaben leisten? Im Moment sehe ich nur EINE Umverteilung unserer Steuergelder. Nämlich nach Südeuropa. Und von der bekommen Sie sicher nicht das heiß ersehnte Kindergeld.

    Erinnert mich an die vier Freunde, die seit Jahren zusammen in die Kneipe gehen. Sie verdienen alle unterschiedlich viel und haben sich darauf verständigt, dass sie den gemeinsamen Deckeln entsprechend Ihres Verdienstes anteilig bezahlen. Nach einiger Zeit fängt der mit dem kleinsten Anteil an zu murren, dass der Chefverdiener ruhig mehr übernehmen könne. Dem schließt sich der mit dem zweitniedrigsten Gehalt schnell an. Sie weigern sich, ihren Anteil zu bezahlen, weil der andere ja so viel mehr hat und das ungerecht ist. Daraufhin beschließt der Spitzenverdiener, in Zukunft sein Bier mit anderen zu trinken. Für die drei Übriggeblienenen bleibt so nur noch ein Bier pro Woche übrig, mehr können sie sich nämlich nicht leisten.

    Und jetzt fragen Sie sich mal, wer in unserem Land den Deckel bezahlt...

  • 15.03.2012, 08:54 UhrRealist

    Der Staat ist nicht chronisch unterfinanziert. Das sind Parolen von SPD, Linke und Grüne.
    Der Staat ist nur nicht in der Lage mit den Steuereinnahmen vernünftig umzugehen. Durch Zweckentfremdung ursprünglich zweckgebundener Steuern ist ein vernünftiges Haushalten kaum möglich. Jedes Unternehmen das so haushalten würde wie unser Staat wäre schon längst vom Markt verschwunden. Ich würde gerne einmal einen Bilanz des Staates sehen, die nach den Kriterien, die für deutsche Unternehmen existieren, erstellt wurde.
    Zu dem verschleudert der Staat Hunderte von Mrd. EURO unserer Steuergelder, zur sinnlosen Rettung des EURO und für unzählige sinnfreie Prestigeprojekte.
    Als Krönung gibt der Staat mir Unterzeichnung des ESM Vertrages einen Blankoscheck ohne jegliche Möglichkeit hier eingreifen zu können.
    Ich würde mich freuen, wenn endliche einmal diese Neiddebatten aufhören würden und sich die Bürger den wirklichen Ursachen der Misere zuwenden würden.
    Aber ich befürchte, dass die Politiker und genauso die deutschen Medien die Bürger so lange mit Unwahrheiten einlullen und Neiddebatten anheizen, dass die Bürger erst wach werden wenn der Zug endgültig abgefahren ist.
    In diesem Sinne, lassen Sie sich ruhig weiterhin vor den Karren spannen.

  • 15.03.2012, 07:37 UhrCharles

    Na ja, die Schweiz lebt eben zu weiten Teilen von der Finanz"wirtschaft", das kann man mit einem klassischen Industrieland nicht so wirklich vergleichen. Außerdem ist sie nicht der Sponsor des halben Kontinents - da kein EU-Mitglied.

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