Spitzentreffen im Kanzleramt
Merkel legt Turbo für Energiewende ein

Mit einem Energie-Spitzentreffen will Kanzlerin Merkel ihre Handlungsfähigkeit in Sachen Energiewende unter Beweis stellen. Das ist auch bitter nötig. Denn die Kommunen sehen das Projekt schon auf der Kippe.
  • 36

BerlinVor dem Energietreffen im Kanzleramt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Klarheit über den Ausbau von Kraftwerken und des Stromnetzes in Deutschland angemahnt. „Ich möchte mir, bevor wir Anfang Juni den ersten Entwurf des Netzplans bekommen, einen Überblick verschaffen“, sagte Merkel im Interview mit der „Welt“ mit Blick auf das Treffen von Kraftwerksbauern, Netzbetreiber und Energieversorgern im Laufe des Tages im Kanzleramt. Sie sei zwar mit der Geschwindigkeit der Energiewende „im Großen und Ganzen“ zufrieden. Offene Fragen gebe es aber etwa bei dem geplanten massiven Ausbau der Offshore-Windenergie. „Das wirtschaftliche Risiko solcher Anlagen muss beherrschbar sein, die Anbindung ans Festland ist eine Herausforderung.“

Zugleich verteidigte sie, dass der Umwelt- und der Wirtschaftsminister nicht an dem Treffen teilnehmen. Diese würden von Fachbeamten vertreten und unterrichtet. Merkel hat die Ministerpräsidenten für die Zeit nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zu einem Energiegipfel eingeladen, um möglichst verbindliche Absprachen über den Bau neuer Kraftwerke und Leitungsnetze zu treffen. Dies soll sowohl den Aufbau von Überkapazitäten vermeiden helfen als auch den Stromtransport aus dem Norden in den stärker industrialisierten Westen und Süden Deutschlands sicherstellen. Das heutige Treffen dient der Vorbereitung dieses Energiegipfels.

Bei dem heutigen Treffen geht es vor allem um die Frage, wie der Bund Energiekonzerne und Stadtwerke zum Bau neuer Gaskraftwerke bewegen kann - und ob die Stromkunden dafür extra zahlen müssen. Letztlich soll auf diese Weise die Stromversorgung stabilisiert und der Kampf gegen die Blackout-Gefahr gewonnen werden. Politischer Sprengstoff also, der allerdings eine recht lange Zündschnur hat, denn gerungen wird um Investitionen für die nächsten 20 bis 30 Jahre. In Teilnehmerkreisen wird daher kaum mit schnellen Entscheidungen gerechnet.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, äußerte schon Zweifel am Erfolg der Energiewende und forderte daher alle Beteiligten zu entschlossenem Handeln auf. „Wir erwarten von dem Gipfel ein klares Signal, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam mit Kommunen und Bürgern die Energiewende vorantreiben“, sagte Landsberg Handelsblatt Online. Denn: „Bei der Energiewende ist der Erfolg noch nicht sicher. Zwar entstehen überall Windkraftanlagen und andere Einrichtungen der alternativen Energieerzeugung, leider hält der notwendige Netzausbau dabei nicht Schritt.“

Wie Landsberg sagte, sind etwa 4.000 Kilometer Höchstspannungsleitungen und zusätzliche 230.000 Kilometer regionale Verteilnetze nötig, um eine „dauerhafte und zuverlässige Stromversorgung mit alternativer Energie“ zu realisieren. „Zusätzlich brauchen wir Reservekraftwerke, möglichst auf Gaskraftbasis, die die Stromversorgung auch dann sicherstellen, wenn der Wind nicht weht“, fügte der Städtebund-Geschäftsführer hinzu. Die Energieversorger müssten hier entsprechende Investitionen tätigen und die Politik müsse entsprechende Investitionsanreize schaffen. Gemeinsam müsse man zudem bei den Bürgern für die Akzeptanz dieser „notwendigen Ausbaumaßnahmen“ werben.

Kommentare zu " Spitzentreffen im Kanzleramt: Merkel legt Turbo für Energiewende ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herr Thoma, wieso sollte sich der Bürger an Solaranlagen beteiligen?

    Sie können mit Solaranlagen kein Stromnetz betreiben. Und es ist in keiner Weise wünschenswert, daß jeder Bürger jede Produktion selbst macht. Das wäre ein Rückschritt in die Altsteinzeit.

    1776 erschien von Adam Smith das Buch "Der Wohlstand der Nationen". Darin legt Smith dar, daß es vor allem die Arbeitsteilung ist, die die Gesellschaft in die Lage versetzt, durch die Anwendung von Spezialisierung und Können zu besseren Erträgen jeglicher Tätigkeit und damit zu höherm Wohlstand aller zu gelangen. Wenn Sie Experten ein Kernkraftwerk betreiben lassen (und politische Sabotage ausschließen), dann kostet die Herstellung einer Kilowattstunde Strom dort etwa 2 Cent. Das sind nicht die einzigen Kosten, auch Netze und Vertrieb wollen bezahlt sein, aber in Dallas im US-Bundesstaat Texas kosten Strom für Privathaushalte derzeit ab ca. 7 Eurocent pro Kilowattstunde. Bei uns gehen die Preise nach Meinung eines der wichtigsten deutschen Wirtschaftsverbände, mit dem ich das Thema soeben diskutieren konnte, unaufhaltsam auf 30 Cent zu. Das liegt u.a. an derm Einspeisewahn. Wir brauchen eine radikale Politikwende. Wenn Sie, Herr Thoma, unbedingt Ihren eigenen Strom generieren wollen, Ihr eigenes Bier brauen, Ihre eigenen Hühner schlachten und vielleicht auch noch Ihre Kinder selbst operieren, dann machen Sie, aber lassen Sie die anderen Leser hier weiterhin beim Spezialisten kaufen. Und hüten Sie sich davor, allen anderen die von Ihnen verursachten Zusatzkosten aufhalsen zu wollen.

  • Herr Ermecke, arbeiten Sie in einem AKW?

    Wenn ja meine herzlich Anteilnahme!

    Ich für meinen Teil habe zehn Kreuze geschlagen,
    dass dieses Teufelszeug endlich
    der Vergangenheit angehört.
    Sie werden sich damit abfinden müssen,
    dass eine übergroße Mehrheit Atomstrom nicht mehr will!
    Harrisburg-Tschernobyl-Fukushima haben überdeutlich gezeigt,
    dass dieser Pakt mit dem unbeherrschbaren Höllenfeuer,
    uns ins Verderben stürzt.

    Nur ein kleines Beispiel:
    Ein Supergau in Deutschland würde schlappe 5000 MRD. kosten, Mio. Menschen
    müssten umgesiedelt werden, Hunderte Tote durch Krebs und unzählige Menschenleben die an Spätfolgen sterben würden!
    Das alles riskieren, nur damit RWE & Co weiterhin 1,5 Mio € pro Tag , pro AKW
    verdienen sollen???
    Nee, Gottseidank ist damit jetzt, zumindest in "Good old Germany" Schluss!!!!

  • Wo soll hier der Turbo sein?
    Ich habe mir schon oft überlegt, nach welchem Schema Merkel Politik macht!

    1. Pastoren Tochter, da musste man/frau ständig aufpassen nicht das Falsche zu sagen
    2. SED-Diktatur, da musste man höllisch aufpassen, nicht das Falsche zu sagen und sich möglichst unangreifbar zu machen
    3. DDR-Blockflöten System, hier waren alle Parteien gleichgeschaltet, deshalb funktioniert
    Merkel am besten in einer großen Koalition.

    Die Schwarz- Gelbe Regierung kündigt an und lässt dann alles mal laufen, der Markt wirds schon richten!

    Wir brauchen endlich einen Masterplan!

    Die Erneuerbaren müssen in einem Mix von Wind-Sonne-Biomasse usw.
    gleichmäßig und mit Augenmaß gefördert werden.

    Schluss mit den destruktiven und von RWE & Co lancierten Neiddebatten,
    nur die Reichen könnten sich ein PV Anlage leisten?
    Das ist doch im Endeffekt zweitrangig,
    wichtig nicht ist wer Gutes tut, sondern dass Gutes getan wird!

    Nur am Sonnenstrom kann sich
    der Bürger wirklich und einfach beteiligen und sogar energieautark werden!
    (Was gleichzeitig den Netzausbau entlastet und damit auch die Steuerzahler!)

    Mit sonnigen Grüßen
    Werner Thoma

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%