Spitzentreffen in Dresden: AfD flirtet mit Pegida

Spitzentreffen in Dresden
AfD flirtet mit Pegida

AfD und Pegida hätten „inhaltliche Schnittmengen“, stellt Parteivize Petry nach einem gemeinsamen Treffen fest. Eine Expertin fürchtet derweil: Der Anschlag von Paris könnte anti-islamische Stimmungen weiter anheizen.
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Düsseldorf/BerlinDie rechtskonservative AfD bewegt sich auf die islamfeindliche Bewegung Pegida zu. „Wir haben festgestellt, dass es offensichtlich inhaltliche Schnittmengen gibt“, erklärte die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry am Donnerstag in Dresden. Dies sei das wesentliche Ergebnis des ersten offiziellen Treffens mit sieben Vertretern der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) am Mittwochnachmittag. „Wir haben viele gemeinsame Schnittmengen bei den Themen Einwanderungs- und Asylpolitik festgestellt“, teilte auch Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel mit. „Wir sind uns darüber hinaus einig, dass wir beim Thema Innere Sicherheit immensen Nachholbedarf haben“.

Der Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, reagierte mit scharfer Kritik auf das Treffen. „Die AfD entwickelt sich zur Hilfstruppe von Pegida“, sagte Wegner dem handelsblatt (Online-Ausgabe). Er erinnerte daran, dass verschiedene Verfassungsschutzbehörden bestätigt hätten, dass Pegida von Rechtsradikalen unterwandert sei. „Wenn die AfD jetzt zeitgleich von inhaltlichen Schnittmengen spricht, zeigt sie damit ihr wahres Gesicht: Populismus und das Schüren von Ängsten.“

Petry wandte sich erneut gegen die Vorbehalte der meisten Parteien, die Pegida Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorwerfen. „Das halten wir für falsch“, sagte Petry.

Pegida hatte das Attentat auf die Redaktion der französischen satirischen Zeitschrift „Charlie Hebdo“ mit zwölf Toten als Beleg dafür gewertet, dass Islamisten nicht demokratiefähig seien, sondern auf Gewalt und Tod als Lösung setzten. „Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen“, erklärte die Organisation auf ihrer Facebook-Seite weiter. Auf Pegida-Kungebungen wandten sich Redner nicht nur gegen radikalisierte Muslime, sondern gegen den Islam im Allgemeinen. So wurden etwa muslimische Bestattungsriten kritisiert.

Nach Ansicht der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor könnte sich nach dem Anschlag hierzulande die Stimmung mit anti-islamischen Tendenzen weiter aufheizen. Die barbarische Tat könne auch „Wasser auf die Mühlen der Scharfmacher auf beiden Seiten“ in Deutschland sein, sagte Kaddor, die auch Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bunds in Köln ist. Auftrieb bekommen könnten islamische Fundamentalisten einerseits und Islamgegner wie die Pegida andererseits.

Für den kommenden Montag rief Pegida zu einer weiteren Demonstration in Dresden auf. Die Teilnehmer des „12. Großen Abendspaziergangs“ sollten mit Trauerflor für die Terroropfer von Paris erscheinen. Die Stadt Dresden und das Land Sachsen mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) an der Spitze riefen für diesen Samstag zu einer Kundgebung vor der Frauenkirche auf, um ein Zeichen „für Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog im Miteinander“ zu setzen.

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  • PEGIDA-Anhänger sollten sich über dies einmal bewußt sein, was wir schon einmal in Deutschland hatten:

    Die Novemberpogrome 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch (Reichs-)Kristallnacht oder Reichspogromnacht genannt – waren vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich.

    Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben.[1] Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.[2] Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.

    Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust mündete.

  • @Herr Carsten Kanter

    Stimmt die Medien sollten sich mehr mit Steigbügelhaltern der NPD befassen:

    Gauland


    Die richtigen Schlüsse über die afd kann dann jeder selbst ziehen. Von Gauland und Co geht eine Gefahr für unsere Demokratie und unser Grundgesetz aus.

  • Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung von Links bis CDU scheint mit PEGIDA nichts am Hut haben zu wollen. In keiner Stadt in Deutschland lockt PEGIDA mehr als ein paar Leute auf die Strasse: Ausnahme Dresden.

    Ja weil die Menschen eingeschüchtert werden, und auch eingeschüchtert werden sollen, durch von oben herab angeordenete Berufsdemonstranten, und dem staatlich-tolerierten, organisierten Linksextremismus a la "Antifa".

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