Spitzentreffen
Kanzlerin macht Kreditklemme zur Chefsache

Die drohende Kreditklemme und neue Akzente bei der Krisenbekämpfung stehen im Vordergrund eines Spitzentreffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Vertretern von Wirtschaft und Finanzindustrie am 2. Dezember in Berlin. Merkel ist angesichts der Kreditsituation alamiert, die Banken beruhigen. Innerhalb der Bundesregierung zirkulieren verschiedene Ideen, dem Problem Herr zu werden.
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BERLIN. Merkel ist alarmiert, weil sich die Klagen der Unternehmen häufen, sie würden von den Kreditinstituten nicht mehr ausreichend mit Darlehen versorgt. Dem steht allerdings die Zusicherung der Banken entgegen, dass genügend Mittel ausgereicht würden. Die Kreditinstitute räumen jedoch ein, dass viele Darlehen nur noch gegen Risikoaufschläge vergeben würden. Merkel will nun die Vertreter der Real- und der Finanzwirtschaft an einen Tisch bringen, sie mit den Widersprüchen konfrontieren und um Vorschläge bitten.

In der Bundesregierung gibt es bereits verschiedene Ideen, wie man einer Kreditklemme vorbeugen könne. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte den Banken bereits damit gedroht, das Hausbankprinzip der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeitweise auszusetzen. Dann könnte die KfW anstelle der Geschäftsbanken direkt Darlehen an Unternehmen vergeben.

Überlegt wird ferner, den Ankauf hermesgesicherter Exportkredite fortzusetzen und das Volumen sogar noch zu erhöhen. Bereits bei der letzten Wirtschaftsrunde der Kanzlerin im September hatte man einen Ankauf beschlossen. Nicht zuletzt sollen die Regeln des Deutschlandsfonds überprüft und im Bedarfsfall verändert werden. Das Volumen von 115 Mrd. Euro für Kredite und Bürgschaften an notleidende Firmen ist bei weitem nicht ausgeschöpft. Es gibt immer wieder Klagen über zu lange Entscheidungsdauer und zu viel Bürokratie. Allerdings müssen die Anträge auch sorgfältig geprüft werden, um die Hilfsmittel nicht in hoffnungslose Fälle zu investieren.

Wie schwierig die Lage der Unternehmen ist, zeigt auch die Entwicklung bei den Bürgschaftsbanken. Nach Informationen des Handelsblatts hat sich der Umfang der Kreditausfälle und die damit einhergehende Inanspruchnahme der Bürgschaften in diesem Jahr gegenüber 2008 nahezu verdoppelt. Bei den Bürgschaftsbanken, die mit staatlicher Rückversicherung Kredite der Banken an kleine und mittlere Unternehmen gegen Gebühr verbürgen, herrscht die Einschätzung vor, dass „gerade dem Mittelstand das Schlimmste noch bevorsteht“. Der Bund hatte seinen Anteil an den Ausfallzahlungen bereits auf bis zu 90 Prozent erhöht und auch die Kreditobergrenze angehoben.

Sorge bereitet der Kanzlerin ferner die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Bei der Spitzenrunde am 2. Dezember sind deshalb auch Arbeitgeber und Gewerkschaften eingeladen sowie Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise, Arbeitsminister Franz Josef Jung (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Von den ebenfalls geladenen Wirtschaftswissenschaftlern will Merkel eine zuverlässige Einschätzung zur weiteren Entwicklung erhalten.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter

Kommentare zu " Spitzentreffen: Kanzlerin macht Kreditklemme zur Chefsache"

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  • @ poldi

    Da sind Leute am Tisch die Ahnung haben. Und die sorgen dafür, daß die banken soviel verdienen wie nie zuvor.
    Die Kanzlerin ist nur dafür zuständig die Steuergelder rüberzureichen und dafür zu sorgen, daß das Volk Ruhe hält.
    Für die banken läuft alles super, die anderen spielen keine Rolle.
    Die banken haben die Macht. Für diese bemerkung wurde ich hier im Hb-Forum mal zurechtgewiesen.

  • Da müssen endlich einmal Leute an den Tisch die eine Ahnung
    von dem Thema haben. Nicht solche Sesselpupser. Es gib so
    viele gute Leute für die Sache, aber leider kommen immmer
    nur die an den Tisch die von der Sache so gut wie keinen
    blasen Dunst haben. Schade um die Zeit.

  • Da müssen endlich einmal Leute an den Tisch die eine Ahnung
    von dem Thema haben. Nicht solche Sesselpupser. Es gib so
    viele gute Leute für die Sache, aber leider kommen immmer
    nur die an den Tisch die von der Sache so gut wie keinen
    blasen Dunst haben. Schade um die Zeit.

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