„Sprengstoff für den Generationenvertrag“
Pflege-Engpass wird zum Konjunkturrisiko

Die Wirtschaft schlägt angesichts neuer Zahlen zum Bedarf an Pflege-Fachkräften Alarm. Der Mangel an Personal könnte die Konjunktur hart treffen, sollte jetzt nicht gegengesteuert werden. Ansatzpunkte gibt es bereits.
  • 20

DüsseldorfDer Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat sich besorgt über den Fachkräftemangel im Pflegebereich geäußert. Der Engpass sei „deutlich spürbar - und er wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks Handelsblatt Online. „Fast sieben von zehn Betrieben aus dem Bereich der Gesundheits- und sozialen Dienstleistungen sehen im Fachkräftemangel ein großes Risiko für ihre Geschäftsentwicklung - in der Gesamtwirtschaft gilt das nur für etwas mehr als jedes dritte Unternehmen“, gab Dercks in diesem Zusammenhang zu bedenken.

Alarm schlägt auch Klaus Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA).  Am Bereich Pflege zeige sich exemplarisch, dass Deutschland ein Gesamtkonzept zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen fehle. „Die Alterung unserer Gesellschaft wird in ihrer historischen Dimension noch immer unterschätzt, obwohl die Folgen dramatisch sind“, sagte Zimmermann Handelsblatt Online. „Wird die Frage einer überzeugenden Betreuung und Pflege im Alter nicht überzeugend gelöst, ist dies letztlich Sprengstoff für den Generationenvertrag.“

Zuvor hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) von einem gravierenden Mangel an examinierten Altenpflegern gesprochen. Die Zahl der Stellenangebote habe sich von 2007 bis jetzt um 216 Prozent gesteigert, sagte Vorstandsmitglied Raimund Becker in einem Interview. Auf jedes dieser Stellenangebote kämen rechnerisch nur 0,3 arbeitslose Altenpflegefachkräfte. "Wir brauchen also unbedingt umfassende Maßnahmen gegen diesen Mangel." Derzeit dauere es in der Altenpflege im Schnitt 115 Tage, um eine offene Stelle zu besetzen, so Becker.

IZA-Chef Zimmermann zitierte Expertenschätzungen, wonach die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland von derzeit 2,5 Millionen bis 2050 auf rund vier Millionen steigen sollen. Entsprechend könne sich der Bedarf an Pflegefachkräften bis dahin auf bis zu 2,1 Millionen Beschäftigte mehr als verdoppeln. Derzeit arbeiteten rund  970.000 Menschen im Pflegebereich. Schon jetzt fehlten aber bereits mindestens  30.000 Beschäftigte,  bis 2020 würden 220.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, so Zimmermann. „Deshalb genügt es nicht, angesichts des eklatanten und wachsenden Mangels an Pflegekräften eine Umschulung und Weiterqualifizierung etwa von Arbeitslosen zu fordern, weil viele von diesen die Voraussetzungen für eine solche anspruchsvolle Aufgabe gar nicht erfüllen.“

Seite 1:

Pflege-Engpass wird zum Konjunkturrisiko

Seite 2:

Pflegekräfte aus Euro-Krisenländern sollen helfen

Kommentare zu " „Sprengstoff für den Generationenvertrag“: Pflege-Engpass wird zum Konjunkturrisiko"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • bleibt dann nur die Frage, wer und wovon die Pflegekräfte "ordentlich" bezahlt werden sollen.

  • kognitiver

    Die heutige Ur-und Großelterngeneration ist die Parasitärste, die Deutschland jemals hatte.
    ------------------------------------
    ach..sind sie Zeitreisender?
    Meine Ur-und Großeltern jedenfalls,haben zum einem
    mangels Pille noch für reichlich Steuerzahler gesorgt,
    und waren auch am Wiederaufbau beteiligt in Zeiten
    der Hungersnöte..
    Oma lebt noch,ist dieses Jahr 82 geworden..
    5 Kinder,alle was geworden..davon haben 3 nicht ganz
    mehr das Rentenalter erreicht und dennoch für den
    Staat fast 40 Jahre eingezahlt.Leider nichts mehr rausbekommen..
    Das war die Zeit wo
    man überwiegend noch mit 15 in die Lehre ging und
    nur wenige studierten..Heute sitzt man sich bis
    30 plus in den Unis den Arsch ab..da hatten andere
    schon 15 Jahre einbezahlt..

  • Das mit der Anwerbung von EU-Pflegekräften ist schon insofern Schwachsinn, da in allen degenerierten EU-Staaten ein ähnliches demografisches Problem vorliegt. Gegen eine Anwerbung aus Entwicklungsländern, wo dieses Problem nicht existiert, wäre aber nichts einzuwenden. Das wäre eine Win-Win-Situation. Aber stattdessen haben die Arbeitsverbot. Das ganze setzt natürlich eine qualifizierte Zuwandererselektion voraus, ähnlich z.B Kanada, im Augenblick fühlen sich tendenziell nur Sozialtouristen angezogen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%