Sprengstoff-Fund in Chemnitz
Polizei ermittelt gegen zwei terrorverdächtige Syrer

Nach dem Sprengstoff-Fund in Chemnitz ermittelt die Polizei gegen einen zweiten Syrer wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Bombenanschlags. Nach dem Hauptverdächtigen wird weiterhin gefahndet.

ChemnitzZwei der am Samstag bei dem Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz festgenommenen Männer sind wieder frei. Bei dem dritten Mann, einem Syrer, handelt es sich um den Mieter der Wohnung, in der eine erhebliche Menge eines hochexplosiven Sprengstoffs gefunden worden war, wie das Landeskriminalamt Sachsen am Sonntag in Dresden mitteilte. Er wird der Mittäterschaft verdächtigt. Die Haftprüfung laufe, sagte eine Sprecherin. Die drei Männer seien Bekannte des Hauptverdächtigen.

Die Polizei sucht in Chemnitz weiter nach dem 22-jährigen Syrer, der einen Bombenanschlag geplant haben soll. Auf den Öffentlichkeitsaufruf sind nach Angaben der LKA-Sprecherin bisher mehr als 80 ernstzunehmende Hinweise eingegangen. Die Polizei machte zunächst keine Angaben, weshalb der offenkundig observierte Mann entkommen konnte. Nach dem Syrer wird auch bundesweit gefahndet.

Der heute 22 Jahre alte Syrer halte sich seit 2015 in Deutschland auf und sei seit mehreren Monaten als Flüchtling anerkannt, sagte Bernhardt. Er sei in der Vergangenheit nicht polizeilich auffällig geworden. "Wir müssen davon ausgehen, dass nach wie vor eine Gefahr von dieser Person ausgeht", sagte der Sprecher.

Die Polizei könne sich nicht hundertprozentig sicher sein, dass sie allen Sprengstoff in der Wohnung sichergestellt und vernichtet habe. Gegen beide Syrer wird nach Paragraf 89a Strafgesetzbuch wegen des Verdachts auf die Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Sollten sie verurteilt werden, droht ihnen eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

In Sicherheitskreisen wird vermutet, dass der gesuchte Syrer Kontakt zur Extremistenorganisation IS hatte. Bernhardt wollte dies allerdings nicht bestätigen. Die Polizei werde sich dazu erst äußern, wenn sie konkrete Fakten habe, sagte er. Derzeit gingen die Ermittler in dem Fall zahlreichen Hinweisen nach.

Bei der Anti-Terror-Razzia in Chemnitz hatte die Polizei am Samstagmittag Hunderte Gramm hochexplosiven Sprengstoff in der Wohnung gefunden, in der sich der Verdächtige aufgehalten hatte. Den mutmaßlichen Bombenbauer trafen sie dort nicht an. Das Landeskriminalamt (LKA) schrieb Dschaber al-Bakr bundesweit zur Fahndung aus – die zunächst erfolglos blieb.

Über mögliche Anschlagsziele gab es zunächst keine Informationen seitens der Behörden. Der Hinweis auf den Syrer war vom Bundesamt für Verfassungsschutz gekommen. Es blieb unklar, ob der Verdächtige aus dem Ausland gezielt gesteuert wurde. Weder der Geheimdienst noch die Polizei wollten sich zu einem „Focus“-Bericht äußern, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte.

Spezialisten ließen den gefundenen Sprengstoff am Samstagabend kontrolliert detonieren. Das Gemisch sei weit gefährlicher als TNT gewesen, hieß es.

Die Plattenbau-Siedlung, in der die Wohnung liegt, war stundenlang abgesperrt und wurde teilweise geräumt. Schon am Morgen hatten rund 80 Menschen ihr Zuhause verlassen müssen. Abends wurden viele Bewohner wieder zurück in ihre Wohnblöcke gelassen.

Seite 1:

Polizei ermittelt gegen zwei terrorverdächtige Syrer

Seite 2:

Sicherheitsmaßnahmen verstärkt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%