Springer-Chef Döpfner: Entwicklung in der Debatte geht "in der Sache fehl"
Grüne nehmen Unternehmen in Schutz

In der Debatte um Auswüchse des Kapitalismus hat die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, die Wirtschaft vor überzogener Kritik in Schutz genommen.

HB BERLIN. „Firmen müssen Gewinne machen dürfen, sonst gibt es keine Jobs“, sagte Göring-Eckardt der „Berliner Zeitung“ (Montag). Die meisten Unternehmer übernähmen schon heute soziale und gesellschaftlichen Verantwortung. „Häufig sichern Unternehmen, die neue Standorte in Osteuropa aufbauen, zugleich Arbeitsplätze in Deutschland“, sagte Göring-Eckardt.

Nach Auffassung des deutschen Groß- und Außenhandels trägt die Kapitalismuskritik des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering zum negativen Wirtschaftsklima in Deutschland bei. „Sehr viele Unternehmer sagen, jetzt warte ich erst mal ab und schaue, wo die Fahrt hingeht. Wenn diese Saat aufgeht, dann haben wir nicht fünf Mill. Arbeitslose, sondern sechs oder sieben Millionen“, sagte der Präsident des Branchenverbandes BGS, Anton Börner, der Zeitung „Die Welt“ (Montag).

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, sagte in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“, die Entwicklung in der Debatte gehe „in der Sache fehl“. Das Problem sei, dass es „in diesem Land wirtschaftlich sehr schlecht aussieht“. DGB-Chef Michael Sommer sagte in der Sendung, die Kritik richte sich „nicht gegen die soziale Marktwirtschaft, sondern gegen Auswüchse“. Es ginge um die Frage, wie sich „Unternehmen und Unternehmer benehmen“. Fehlentwicklungen müssten erkannt und gestoppt werden.

Der Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer sprach sich für eine staatliche Subventionierung der Lohnnebenkosten aus. Auf diesem Weg könnten Investitionen in neue Jobs vor allem für Niedrigqualifizierte attraktiver gemacht werden, sagte Bütikofer dem „Mannheimer Morgen“ (Montag). „Wenn wir das anpacken würden, könnten wir einen großen Schritt nach vorne machen“, sagte er. Bütikofer lehnte den Vorschlag von SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler ab, Aktionären das Stimmrecht zu nehmen, wenn sie noch nicht mindestens zwei Jahre an einem Unternehmen beteiligt sind.

Müntefering selbst rief zum Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Solidarität auf. Der Spruch „Geld regiert die Welt“ dürfe nicht akzeptiert werden, sagte er am Sonntagabend in der evangelischen Kreuzkirche in Bonn. „Wenn das Eigentum zum Goldenen Kalb wird, dann geht die Gerechtigkeit vor die Hunde.“ Die soziale Marktwirtschaft müsse erhalten bleiben, sie sei auch auf der Basis solidarischer Grundprinzipien wachstums- und konkurrenzfähig.

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