Spritpreis-Debatte
Kartellamt prüft Einkaufspreise der Tankstellen

Das Kartellamt will prüfen, ob große Ölkonzerne einzelne Tankstellen bevorzugt beliefern. Mit den aktuellen Preisanstiegen für Benzin und Diesel hat dies wenig zu tun. Daher hilft als Reaktion nur geringerer Verbrauch.
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BerlinFür Ferdinand Dudenhöffer ist die Aufregung um die höchsten Benzinpreise aller Zeiten ein Sturm im Wasserglas. „Das Kartellamt produziert seit 30 Jahren nur heiße Luft“, sagt der auf Automobilforschung spezialisierte Professor der Universität Duisburg-Essen. Jedes Jahr zu Ostern gebe es diese Debatten, die einzige echte Lösung werde aber nicht energisch genug angegangen.

Nun will das Kartellamt zwar konkret gegen die Ölmultis vorgehen, wie Behördenchef Andreas Mundt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ betont - doch zunächst geht es nur darum, ob die Konzerne freien Tankstellen Kraftstoff teurer verkauft haben als an Endkunden ihrer eigenen Tankstellen. Zudem soll geprüft werden, ob die Konzerne - wie in Westaustralien praktiziert - am Vortag einen festen Spritpreis für ihre Tankstellen angeben müssen, der dann 24 Stunden gilt. Mundt prüft, die freien Tankstellen davon auszuklammern, diese könnten dann den Preis billiger anbieten, was den Wettbewerb stärken würde.

Doch bringt das etwas? Bisher blieb es oft bei Ankündigungen. Preise einzufrieren oder eine „Spritpreispolizei“ würden eher dazu führen, dass „die Spritpreise höher als niedriger sind“, betont Autoexperte Dudenhöffer. Die einzige echte Preisbremse wäre, dass nicht wie bisher von den 42,9 Millionen Autos in Deutschlands 98,6 Prozent Benzin- oder Diesel-Pkw sind. „Nur mit mehr alternativen Antrieben kommen wir aus dieser Situation“, sagt Dudenhöffer.

Auch die Grünen machen sich für neue Wege und spritsparendere Modelle stark. Sie halten nichts von einer höheren Pendlerpauschale, die derzeit bei Politikern von Union und FDP hoch im Kurs steht. „Weg vom Öl“ lautet der Slogan. Zumal eine höhere Pauschale durch neue Preisrunden an der Zapfsäule rasch wieder aufgefressen werden könnte. Denn statt 50 US-Dollar wie noch vor wenigen Jahren kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent derzeit bereits 125 Dollar.

Viele Bürger in Deutschland steigen nun häufiger um: Carsharing nimmt zu, Mitfahrzentralen berichten von einem 25-Prozent-Plus und mit 10,9 Milliarden Fahrten gab es 2011 einen Rekord bei Bussen und Bahnen. Die Pauschale deckt schon lange nicht mehr auch nur annähernd die Kosten für diejenigen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. Sollte sie die gleiche Entlastung wie noch 1991 bringen, müsste sie nach einer Bundestagsuntersuchung 74 statt 30 Cent betragen. 5 bis 10 Cent mehr würden das Preisproblem kaum lösen.

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  • tja. und dann zwängen sich hunderttausende in die vollen züge. bald gibts eine so große belastung in den großstädten für den nahverkehr, dass die ganze sache ins verkehrschaos fürhren wird. seit kurzem erfahre ich täglich übervolle züge und ubahnen. aber was macht der bund? er stopft sich die taschen voll mit den steuergeldern der autofahrer, die nicht anders können, weil sie den nahverkehr nicht nutzen können bzw. zu weit weg wohnen. bsp. nr. 1: in münchen ist immer noch nicht klar, wie das problem der 2. stammstrecke bei der sbahn gelöst werden kann. der bund stellt sich hier quer und gibt keine gelder frei und gleichzeitig gibt man geld für einen neubau einer moschee oder mea west aus, nur damit ne blöde tram drunter durchfahren darf. ausbau bei der ubahn? fehlanzeige? es gibt sogar zeiten, da wird bei der ubahn in den ferien der takt verlängert, weil angeblich weniger leute zur arbeit fahren. bald kommt keiner mehr zur arbeit, weil die züge total überlastet sind und kaum neue fahrer noch lust haben für nen hungerlohn doppelschichten zu machen. anstatt die arbeitsstättenansammklung der städte nach aussen hin zu entflechten und ein marodes verkehrssystem der städte zu modernisieren werden unsummen von geldern in banken und euroländern versenkt, nur damit die banken kaum verwaltungsaufwand haben, bzw. unternehmen mit ihren töchtern in der eu besser wirtschaften können. das scheiß system sollte endlich mal gekippt werden. am besten auto abmelden und auf die straße gehen. generalstreik vor banken, bundesministerien und wichtigen verkehrsknotenpunkten und schon merkt die regierung, was los ist hier in deutschland.

  • ...das Spiel Bayern München vs. Olympic Marseille war wahrscheinlich dafür verantwortlich... ...danach war (zumindest) ich müde... ;-)

  • Der doofe Michel kann nur durch einen hohen Spritpreis gezwungen werden auf sparsame Verkehrmittel umzusteigen.
    Hohe Kosten für Führerschein und Erstversicherung zwingen ja heute schon die nachfolgende Generation in den Städten aufs Auto zu verzichten. Die Marktuntersuchungen sprechen ja Bände.
    Und der Durchschnittsarbeitnehmer muss in Zukunft auch über seinen Schatten springen und mit einem Lupo zur Arbeit fahren.
    Vielleicht kann er ihn ja ein bisschen aufmotzen, damit die Minderwertigkeitsgefühle nicht ganz so aufkommen.
    Und die Renaissance des Fahrrads und der Vespa ist durchaus denkbar. Das kann man dann noch mit dem Umweltaspekt seinem Nachbarn erklären, auch wenn im Grunde genommen die Geldnot zu diesem Vorgehen zwingt.

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