Staatliche Förderung
Forschungsförderung erreicht nur Minderheit

Die staatliche Forschungsförderung erreicht nur einen sehr kleine Gruppe der Unternehmen in Deutschland. Lediglich 15 Prozent der innovativen Unternehmen erhält staatliche Unterstützung für Forschung und Entwicklung oder hat solche beantragt. Warum viele Unternehmen sich gar nicht erst um staatliche Förderung bemühen.

BERLIN. In den westlichen Flächenländern sind es sogar nur zehn Prozent. Lediglich im Osten, in Bremen und dem Saarland profitieren mehr als ein Fünftel der Unternehmen von der Projektförderung des Staates. Das ergab eine Infas-Studie im Auftrag von Bertelsmann, die dem Handelsblatt vorliegt auf Basis einer Umfrage in 2 500 Unternehmen.

Damit gewinnt die Debatte um eine steuerliche Forschungsförderung, die allen zu Gute kommen würde, zusätzliche Brisanz. In ihren Programmen zur Bundestagswahl stellen alle Parteien außer der Linken einen Steuerbonus für die Kosten von Forschung und Entwicklung (FuE) in Aussicht. Umstritten ist dabei, ob dieser nur dem Mittelstand gewährt werden soll oder allen Unternehmen, wie es der Bundesverband der Deutschen Industrie fordert.

Begründet wird die Subvention damit, dass FuE so wichtig für die Volkswirtschaft seien, dass sie flächendeckend unterstützt werden müssten. So würde auch der Nachteil der staatlichen Projektförderung kompensiert, dass diese auf wenige, eng begrenzte Felder beschränkt ist, wie etwa die Bio- oder Nanotechnologie. Zuletzt kritisierten Experten, dass dadurch zukunftsträchtige Bereiche wie etwa die innovativen Dienstleistungen in Deutschland stiefmütterlich behandelt würden.

Zugleich liefert die Studie Aufschluss darüber, warum Unternehmen sich gar nicht erst um staatliche Hilfe für Innovationen bemühen. Die große Mehrheit – 57 Prozent – gab an, die laufenden Förderprogramme würden nicht ihren Bedürfnissen entsprechen (siehe: „Ohne Förderung“). Fast jedes zweite Unternehmen monierte, es fehlten ihm die nötigen Informationen. Ein gutes Drittel kritisiert den hohen bürokratischen Aufwand. Dieses Problem ist seit Jahrzehnten virulent und mit verantwortlich dafür, dass vor allem Großbetriebe staatliche Forschungsförderung in Anspruch nehmen. Ein Fünftel der Befragten schließlich bemängelt, dass es den staatlichen Programmen an Kontinuität mangele. In der Tat wird Projektförderung oft für wenige Jahre konzipiert – um einen entsprechenden Anstoß zu geben.

Einen ersten Hinweis liefert die Studie auch darauf, wie sehr die Krise die Innovationstätigkeit in Mitleidenschaft zieht: Nur noch 62 Prozent der Unternehmen planen danach auch in der Zeit bis Ende 2010 noch Innovationen. Im Zeitraum 2005-2007 betrug der Anteil noch 72 Prozent. Lediglich in Hamburg kündigten sogar mehr Unternehmen Neuerungen an. In allen andern Ländern außer Niedersachsen zeigt die Tendenz nach unten. Am stärksten ist der Einbruch in Bayern.

Die meisten Unternehmen erhalten nach der Studie Fördermittel für Forschung und Entwicklung von ihren jeweiligen Landesregierungen. Lediglich für die Unternehmen in Berlin, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind die Ministerien der Bundesregierung der wichtigste Geldgeber.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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