Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Misshandlungen
Foltervorwürfe gegen Bundeswehr-Offiziere

Ausbilder bei der Bundeswehr werden verdächtigt, Rekruten mit Stromstößen gequält zu haben. Die Übergriffe sollen bei einer so genannten Geiselbefragung stattgefunden haben.

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen einen Hauptmann und 17 Unteroffiziere einer in Coesfeld stationierten Ausbildungskompanie wegen «Misshandlung» und der «entwürdigenden Behandlung von Untergebenen». Das berichtet das Magazin «Spiegel».

Demnach sollen die Unteroffiziere viermal mit Rekruten zum Abschluss der Grundausbildung «ein grausames Spiel gespielt haben». Dabei handelt es sich laut dem Bericht um eine so genannte Geiselbefragung. Auf Nachtmärschen seien die jungen Soldaten in einen Hinterhalt gelockt, überfallen, mit Kabelbinder gefesselt und auf einem Lastwagen in die Kaserne gekarrt worden.

Dort, in einem Dusch- und einem Kellerraum, hätten sie kniend vor einer Wand verharren müssen und seien mit Wasser bespritzt worden. Zwei Soldaten sollen mit Stromstößen «im Hals-, Leisten- und Bauchbereich» gequält worden sein.

Die Ermittler haben dem «Spiegel»-Bericht zufolge auch Hinweise darauf, dass die Exzesse gefilmt und fotografiert wurden. Ein Bild soll demnach einen Rekruten mit entblößtem Unterleib zeigen.

Computer und andere Datenträger sein beschlagnahmt worden und werden derzeit ausgewertet, hieß es weiter. 16 Beschuldigte seien bereits vom Dienst suspendiert. Solch «grobe Pflichtwidrigkeiten», die wohl einmalig seien, rührten «an Grundlagen unseres Dienstes», sagte der Kommandeur des zuständigen Heerestruppenkommandos in Koblenz, Generalmajor Ernst Heinrich Lutz, dem «Spiegel». Das Wehrstrafgesetz sieht für die Delikte Haftstrafen von bis zu fünf Jahren vor.

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