Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen 20 Personen
Fünf Haupttäter im Coesfelder Folterskandal ausgemacht

Nach Informationen des Bundeswehr-Verbandes haben sich an der Misshandlung von Rekruten in Coesfeld fünf Unteroffiziere direkt beteiligt. Verbandschef Bernhard Gertz sagte der „Berliner Zeitung“ (Dienstag), dies habe er bei Gesprächen mit Angehörigen der Ausbildungseinheit erfahren. Die fünf Vorgesetzten hätten Soldaten bei der Grundausbildung mit Stromschlägen gequält oder ihnen Wasser in den Rachen geschüttet.

HB MÜNSTER/BERLIN. Münsters Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer betonte dagegen am Dienstag: „Ich habe keine Eingrenzung vorgenommen.“ Die Staatsanwaltschaft ermittele weiterhin gegen 20 Unteroffiziere und einen Hauptmann. Schwer bestätigte, dass die Misshandlungen möglicherweise gefilmt wurden. Die Staatsanwaltschaft habe eine CD- ROM beschlagnahmt. Diese sei allerdings noch nicht besichtigt.

In einer Ausbildungskompanie in Coesfeld sollen Soldaten rund 80 Untergebene bei vier Übungen im Sommer misshandelt und gequält haben. Die Vorgesetzten sollen ihre Opfer gefesselt und ihnen Stiefelsäcke über den Kopf gezogen haben. In einem Fall stehe fest, dass ein Soldat mit Stromstößen aus der Induktionsspannung eines Feldfernsprechers gequält wurde. Alle Beschuldigten wurden nach Angaben des Heeresführungskommandos in Koblenz suspendiert und dürfen keine Uniformen mehr tragen.

Nach Angaben von Gertz haben die übrigen Beschuldigten möglicherweise von den Misshandlungen gewusst, sich aber selbst daran nicht beteiligt. Er forderte, die Motive der beteiligten Soldaten zu erforschen. Es müsse klar werden, warum die Soldaten, die bei den fingierten Geiselbefragungen gequält wurden, keinen Alarm geschlagen hätten. „Das widerspricht allem, um das es bei der inneren Führung geht“, sagte der Verbandschef.

Der Kommandeur des Zentrums Innere Führung der Bundeswehr, Brigadegeneral Robert Bergmann, hält die Misshandlungen am Standort Coesfeld für einen Einzelfall. Ihn beschäftige die Tatsache, dass ein großer Teil der Rekruten nicht vom Recht der Beschwerde oder der Eingabe Gebrauch gemacht hat. Es müsse geklärt werden, wie es dazu habe kommen können, „dass Einzelne in dieser krassen Form versagen“, sagte Bergmann im Deutschlandfunk.

Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat im Fall der Misshandlungen Konsequenzen angekündigt. „All diejenigen, die dafür verantwortlich sind, werden entsprechend auch zur Rechenschaft gezogen“, sagte er in Berlin. Struck wird an diesem Mittwoch den Abgeordneten des Verteidigungsausschusses im Bundestag Rede und Antwort stehen.

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