Staatsanwaltschaft will Verfahren nicht einstellen
Fax mit Akten zu Friedman ging an Pizzeria

Vertrauliche Akten der Staatsanwaltschaft zu Drogenermittlungen gegen den Fernsehmoderator Michel Friedman sind durch ein Versehen an die Öffentlichkeit geraten. Demnach strebt die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen den stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland an.

Reuters BERLIN. Die Akten waren nach Angaben der Berliner Justiz versehentlich per Fax von Friedmans Verteidiger Eckart Hild weitergegeben worden. „Uns liegt eine Stellungnahme von Herrn Hild vor, dass das Fax versehentlich aus seinem Büro abgeschickt wurde“, sagte Justizsprecher Björn Retzlaff am Mittwoch in Berlin. Zu den Inhalten des Vermerks wollte er sich nicht äußern. Hild oder seine Kanzlei äußerten sich bis zum Nachmittag trotz Anfrage nicht.

Die „Bild“-Zeitung hatte Auszüge aus einem - ihrer Darstellung nach - fünfseitigen Dossier zum Stand der Drogenermittlungen gegen Friedman veröffentlicht. Dazu gehörten Zeugenaussagen und Indizien, die den Vorwurf des Drogenmissbrauchs aus Sicht der Behörde erhärteten. In Justizkreisen wurde bestätigt, die Unterlagen stammen von der Staatsanwaltschaft. Das Papier ist nach dem Bericht der Zeitung am vergangenen Wochenende an das Fax-Gerät eines Pizza-Bäckers gesendet worden.

Nach dem „Bild“-Bericht geht aus den Unterlagen hervor, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Friedman nicht einstellen will und einen Strafbefehl anstrebt. Demnach soll Friedman mindestens zehnmal in Anwesenheit ukrainischer Prostituierter Kokain genommen haben. In mehreren Fällen soll eine Prostituierte mit dem Decknamen „Marta“ von Friedman angebotenes Kokain konsumiert haben.

Nach dem „Bild“-Bericht hatte eine der Prostituierten, die als Zeugin in einem Verfahren gegen mutmaßliche Menschenhändler aussagte, im Fernsehen Friedman als ihren Freier erkannt und dies der Polizei gemeldet. Dabei sei auch der Kokain-Konsum zur Sprache gekommen. Dies habe die Ermittlungen gegen den Moderator ausgelöst. Weiter berichtet die Zeitung, dass sich Staatsanwaltschaft und Friedmans Verteidiger bei einem Treffen nicht über die Höhe einer Strafe für Friedman hätten einigen können. Retzlaff bestätigte das Treffen, sagte jedoch nichts zu den Inhalten.

Bei Durchsuchungen der Anwaltskanzlei und der Privaträume Friedmans in Frankfurt vor knapp drei Wochen waren drei Tütchen mit Resten eines Kokaingemisches beschlagnahmt worden. Die Ermittler waren im Zuge von Ermittlungen gegen mutmaßliche Menschenhändler aus Osteuropa, die Prostituierte vermittelt haben sollen, auf den Drogen-Verdacht gegen Friedman gekommen.

Der jüdische Schriftsteller Rafael Seligmann forderte unterdessen Friedman zum Rücktritt von dessen Zentralrats-Amt auf, da dieser gezeigt habe, „dass es ihm an Ernsthaftigkeit und Reife für diese Aufgabe mangelt“. Zumindest solle Friedman das Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen lassen. „In der Normalität gibt es keine Extrawürste - auch keine koscheren“, schreibt Seligmann in einem Beitrag für das Magazin „Stern“.

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