Staatshilfe
Wirtschaft drängt auf Steuerbonus für Forschung

Die Wirtschaft hat ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) 2007 um knapp drei Prozent auf 53,5 Mrd. Euro gesteigert. Doch nun könnten Unternehmen in der Krise den Rotstift ansetzen. Der Stifterverband fordert eine Steuergutschrift von zehn Prozent.

BERLIN. Die Wirtschaft hat ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) 2007 um knapp drei Prozent auf 53,5 Mrd. Euro gesteigert. 2008 wäre den Plandaten zufolge ein Plus um sechs Prozent zu erwarten. Das dürfte jedoch wegen der Krise geringer ausfallen, sagte der Vizepräsident des Stifterverbandes, BASF-Chef Jürgen Hambrecht, bei der Vorstellung der Zahlen. Der Verband hat die Daten im zweiten und dritten Quartal erfragt.

Jeder dritte Industrieforscher und Entwickler arbeitet für die krisengeplagte Automobilindustrie. Hambrecht appellierte nachdrücklich, jetzt nicht wie in früheren Krisen nachzulassen: "Unternehmen dürfen trotz sich leerender Auftragsbücher nicht an Forschung und Entwicklung sparen." Denn hohe F&E-Ausgaben stärkten die Wettbewerbsfähigkeit. Das Lissabon-Ziel - wonach die Ausgaben für F&E der Wirtschaft und des Staates bis 2010 auf drei Prozent des BIP steigen sollen - ist jedoch keinesfalls mehr zu schaffen, sagte der Generalsekretär des Stifterverbands, Andreas Schlüter. Dieser Wert liegt unverändert bei gut 2,5 Prozent. Hambrecht forderte daher erneut, schnell eine steuerliche Forschungsförderung einzuführen: Alle Unternehmen müssten eine Steuergutschrift von zehn Prozent ihrer F+E-Ausgaben erhalten. Generell sei es unverständlich und enttäuschend, dass sowohl beim EU-Gipfel als auch beim Treffen der Kanzlerin Investitionen in Bildung und Forschung so gut wie keine Rolle gespielt hätten. Auch die Bundesregierung denkt über steuerliche Forschungsförderung nach. Wann diese Pläne spruchreif werden, ist jedoch unklar.

Einstweilen streiten Wirtschaft und Staat, wer am Zuge ist: "Die Industrie hat ihren Teil geliefert - Vater Staat nicht", kritisierte Hambrecht. Denn die Wirtschaft trage bereits 70 Prozent der F&E-Ausgaben - also mehr als die vereinbarten zwei Drittel. Bundesforschungsministerin Annette Schavan hingegen verweist auf die im Vergleich zu den Ländern deutlich gestiegenen Ausgaben des Bundes. Schlüter hingegen meint, dass "auch der Bund nicht aus der Verantwortung entlassen werden kann, mehr auszugeben."

Geld ist jedoch nicht das einzige Problem: Ein ebenso entscheidender Engpass für mehr Forschung und Entwicklung ist das Personal. "Abrupte Steigerungen sind aufgrund des Faktors Mensch gar nicht möglich" sagte Generalsekretär Schlüter. Helfen könne nur eine deutlich verstärkte Ausbildung in technischen Berufen und mehr Ingenieur-Studenten.

Eine eindeutig positive Nachricht liefert der Mittelstand: Zwar ist Forschung und Entwicklung traditionell eine Domäne der Großunternehmen. Doch die kleineren Firmen mit bis zu 500 Beschäftigten haben ihre F&E-Anstrengungen stetig gesteigert und stemmen mittlerweile gut 15 Prozent der Gesamtausgaben. Das sei auch eine Folge der höheren Projektmittel des Bundes sowie der neuen Forschungsprämie, heißt es beim Stifterverband. Eine steuerliche Forschungsförderung könnte gerade im Mittelstand verhindern, dass er in der Krise bei F&E auf die Bremse tritt, sagte Hambrecht.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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