Staatshilfen
Brüderle bekommt Schelte wegen Opel

Heftige Kritik hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wegen seines Neins zu Opel-Staatshilfen einstecken müssen: Die Bundesländer mit Standorten des Autobauers pochen auf Unterstützung vom Bund. GM treibt indessen den Umbau von Opel voran.
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hz/mwb/HB BERLIN. Es gebe eine klare Absprache zwischen dem Bund und der vier betroffenen Länder, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) der Süddeutschen Zeitung. „Auf der bestehe ich.“ Es sei nicht akzeptabel, wenn die Bundesregierung aus Absprachen ausschere, die erst vor zehn Tagen getroffen worden seien. Auch Nordrhein-Westfalen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) pochte auf eine gemeinsame Haltung: Sobald die Opel-Mutter General Motors ein klares Konzept zur Rettung des Rüsselsheimer Autobauers vorlege, würden „Bund und Länder – wie bisher – gemeinsam antworten“.

Brüderle hatte zuvor erklärt, GM könne Hilfen bestenfalls von den vier Bundesländern mit Opel-Standorten erwarten, nicht aber vom Bund. Es stehe den Ministerpräsidenten frei, dafür Mittel bereitzustellen. Außer in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat Opel Werke auch in Thüringen und Hessen.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors treibt bereits die Neuordnung des Europageschäfts voran. Nach der Berufung einer neuen Führungsspitze wird bereits im Dezember die bisherige GM-Zentrale in Zürich aufgelöst. Die rund 150 Mitarbeiter werden nach Rüsselsheim umziehen, sagte ein Opel-Sprecher am Wochenende. GM-Boss Fritz Henderson hatte schon Anfang November erklärt, dass das Opel-Vauxhall-Geschäft aus Deutschland geführt werde. Die Amerikaner rücken das Management damit wieder enger an das operative Geschäft und gehen weiter auf die Opelaner zu.

Bereits am Freitag hatten die Amerikaner weitere 200 Mio. Euro aus dem staatlichen Überbrückungskredit der Bundesregierung zurückgezahlt. Der verbliebene Kredit über 400 Mio. Euro werde bis Ende November zurückgezahlt, sagte ein GM-Manager. GM hatte Anfang November überraschend den geplanten Verkauf von Opel an Magna abgeblasen. Ungeachtet markiger Worte des GM-Verwaltungsratschefs Edward Whitacre peilt GM allerdings weiter an, die Sanierung von Opel zum Großteil über staatliche Hilfen zu finanzieren.

Nach Expertenmeinung muss Opel dringend die Produktpalette erweitern. „Für mich hat GM weniger ein Kosten-, sondern mehr ein Produktproblem“, sagte der Autofachmann Stefan Bratzel dem Branchenblatt „Automobilwoche“. Mit Blick auf gegenwärtig erfolgreiche Opel-Autos fügte der Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach hinzu: „Da werden die Modelle Astra und Insignia bei Weitem nicht ausreichen.“

Neben dem Abbau von Überkapazitäten und der Reduzierung von Kosten müsse eine auf einem GM-weiten Modulbaukasten aufsetzende Produktstrategie entwickelt werden, betonte Bratzel. Der Erfolg von Opel werde auch davon abhängen, wie der Mutterkonzern General Motors die Balance zwischen Führung und Eigenständigkeit für Opel gestalte.

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