Staatsschulden
Bürger misstrauen Schäubles Prognose

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ließ jüngst per Interview wissen, dass er einen ausgeglichenen Staatshaushalt schon 2014 für möglich hält. Eine Umfrage zeigt: Viele Bürger halten seine Prognose für blauäugig.
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DüsseldorfMit seiner optimistischen Prognose nimmt CDU-Politiker Wolfgang Schäuble eine Außenseiterrolle ein. Mehr als drei Viertel der Bundesbürger gehen nämlich davon aus, dass Deutschland auch in drei Jahren seine Verschuldung noch weiter ausdehnen wird. Vor allem unter seinen Alters- und Geschlechtsgenossen wird an Schäubles Prognosefähigkeiten gezweifelt. Bei den Männern und den über 55-Jährigen halten jeweils gut 80 Prozent der Deutschen einen ausgeglichenen Staatshaushalt für reines Wunschdenken. Das ergibt eine repräsentative Umfrage der Kommunikationsberatung Faktenkontor und des Marktforschers Toluna unter 1.000 Bundesbürgern, die Handelsblatt FinanceToday, der inernationalen Presseschau für die Finanzbranche, exklusiv vorliegt.

Dass nur gut jeder zehnte Bundesbürger von den Worten Schäubles voll und ganz überzeugt ist, bedeutet indes aber nicht, dass Aussagen dieser Art beim Rest der Bevölkerung ohne Wirkung bleiben. So räumt mehr als jeder fünfte Deutsche ein, dass derartige Politikerworte sein Verhalten in Sachen Geldanlage und Altersvorsorge beeinflussen. Unter den Älteren überdenkt angesichts Schäubles Äußerungen sogar fast jeder Vierte seine Finanz- und Vorsorgestrategie.

Die Banken und Versicherungen scheinen die hohe Emotionalität des Themas Staatsverschuldung allerdings noch nicht als möglichen Aufhänger für Kundengespräche erkannt zu haben. So wurden in diesem Jahr bisher nur neun Prozent der Deutschen von ihrem Bankberater aktiv über die Folgen der Haushaltsprobleme vieler EU-Staaten und der USA für den deutschen Privatanleger informiert. Und auch die Assekuranz verweigert ihren Kunden zusätzliche Orientierung. Magere acht Prozent der Bundesbürger wurden Stand heute von ihrer oder einer anderen Versicherung im Laufe des Jahres unaufgefordert mit Informationen zu Auswirkungen der Staatsschuldenkrise auf die Altersvorsorge versorgt.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung

Kommentare zu " Staatsschulden: Bürger misstrauen Schäubles Prognose"

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  • Bitte ersetzen Sie das Wort "oder" durch "und".

  • "Auch Regierungen verbergen Verbindlichkeiten außerhalb der Bilanz in Schattenhaushalten".

    Genau so wie die Bankster, die ihre Risiken in irische Zweckgesellschaften ausgelagert haben, um sie vor der Finanzaufsicht zu verstecken. Jeden anständigen Bürger würde man dafür ins Gefängnis stecken.
    http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/Schattenhaushalte.jpg

    Unsere Verschuldung liegt also nicht bei 2000 Milliarden Euro, sondern mindestens bei 6000 Milliarden Euro. http://siggi40.magix.net/website#Staatsverschuldung

    Schäuble auf Drogen – nicht böse sein.
    Er glaubt sogar daran, genau wie Honnecker an den Wohlstand seiner Bürger glaubte. Dafür wurden sogar die leerstehenden Häuser angepinselt und Vorhänge reingehängt, auf den Strecken, die Honnecker passierte.

  • 60% unserer Exporte gehen in die EU. Mangels Wettbewerbsfähigkeit wird in den PIIG(F)S jetzt der Rotstift bei den Ausgaben angesetzt. Schon längst überfällig.
    Bezahlt wurden unsere Exportrechnungen mit unseren Krediten, die wir jetzt auch noch selbst zurückzahlen müssen. So wurde in den PIIG(F)S die letzten 10 Jahre das ganze Jahr über Weihnachten gefeiert. Der Wohlstand seit Einführung des Euros wurde mit extrem niederen Zinsen finanziert und eine massive Verschuldung erst ermöglicht. Die Banken haben alles finanziert, waren bankrott, sind mit 4389 Milliarden Euro gerettet worden, und jetzt schon wieder bankrott, die Armen.

    Unsere Rechnungen wurden mit Krediten bezahlt. In den letzten 3 Jahren überwies die EZB 340 Milliarden Euro, die DBB über 200 Milliarden Euro an die Zentralbanken der PIIG(F)S.
    Dieser Wohlstand auf Pump kann genau so lange weitergeführt werden, wie die deutschen Steuerzahler ausgeplündert und unsere Kinder versklavt werden. Das ist Hochverrat!!
    Und wie man mit Hochverrätern umgeht, das kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen.
    Vergessen wir die Fehlkonstruktion Euro und die weitere Alimentierung der PIIG(F)S. Unsere künftigen Geschäftspartner sind die BRIC, die ihre Rechnungen auch mit Rohstoffen bezahlen können. So wird ein Schuh daraus. Ware Made in Germany ist überall begehrt. Die einen lassen es sich schenken, die anderen bezahlen dafür. Welche Kunden sind uns lieber?

    Schäubles Prognosen? Einfach weniger Drogen nehmen, mein Lieber, dann klappt es auch wieder mit der Wahrnehmung.

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