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„Verbrecher kann ich nicht per Kutsche jagen“

Staatstrojaner
„Verbrecher kann ich nicht per Kutsche jagen“

Wann geht das staatliche Ausspähen von Computern zu weit? Darüber geraten ein Pirat, ein Politiker, ein Polizist und ein Computerexperte auf einer Diskussionsbühne bei Handelsblatt Online heftig in Rage.
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DüsseldorfKleine Ursache, große Wirkung: Deutschlands Ermittler nutzen sogenannte Staatstrojaner, um heimlich in den Computern verdächtiger Bürger herumzuschnüffeln. Um die hundert Mal soll diese Methode offiziell bereits eingesetzt worden sein, angesichts von sechs Millionen Verbrechen im Jahr keine relevante Zahl - aber genug um für Aufregung zu sorgen. Handelsblatt Online hat deswegen zum Streitgespräch eingeladen. Unter dem Titel: „Staatstrojaner – werden die Bürger ausgespäht?“ diskutierten Dieter Wiefelspütz, bis Oktober innenpolitischer Sprecher der SPD Bundestagsfraktion und ehemaliger Richter, Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft und einst aktiver Polizeihauptkommissar, Andreas Bogk vom Chaos Computer Club und Achim Müller, Sprecher der Piratenpartei in Nordrhein-Westfahlen und im Hauptberuf IT-Berater bei Handelsblatt Online in Düsseldorf. Ergebnis: Am Ende zweifelten sogar die Zuschauer, ob im Verfassungsstaat Deutschland noch alles mit rechten Dingen zugeht. Und es war Wiefelspütz, der diese Zweifel beredt auszuräumen versuchte: „Wir spielen nicht nur den besten Fußball und machen die besten Autos. Wir haben auch den besten Rechtsstaat.“

Doch der Reihe nach. Worum es eigentlich - rein technisch - geht, erklärte Bogk vom Chaos Computer Club: „Ein Stückchen Software das Dritten illegal Zugang zu Daten auf fremden Computern ermöglicht“. Besonders umstritten ist der Fall der sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung. Dabei installieren Ermittler einen Trojaner auf fremden Computern, um die Kommunikation vor der Verschlüsselung mitzuschneiden. Dies sei ein massiver Eingriff in die Privatsphäre, so Bogk. Das Bundesverfassungsgericht habe dafür sehr enge Grenzen gesetzt. Die Ermittlungsbehörden hätten diese Grenzen überschritten und seien weit über das Ziel hinausgeschossen.

Das sah Polizist Rainer Wendt ganz anders. Innerhalb eines Jahres gebe es in Deutschland lediglich zehn bis 15 Fälle einer solchen Überwachung. Das sei verglichen mit etwa sechs Millionen Straftaten sehr wenig. „Wir sind nicht umzingelt von wildgewordenen Zombies in den Ermittlungsbehörden,“ so Wendt.

Die Fronten in der Diskussion waren schnell geklärt: Auf der einen Seite Wendt und der Innenpolitiker Wiefelspütz. Auf der anderen Bogk vom Chaos Computer Club und Achim Müller von den Piraten. Wie Bogk war auch Müller der Meinung, dass die Polizei Grenzen überschritten habe. „Alle Fälle von Quellen-Überwachung, die bisher bekannt geworden sind, sind weit weg von großen Gefahren“, sagte Müller. Es handele sich um Kleiderdiebe, eine Internetapotheke oder illegalen Zigarettenhandel. Das habe nichts mit Terrorismus zu tun.

Auf einer Linie mit Polizeigewerkschafter Wendt argumentierte wiederum SPD-Innenexperte Wiefelspütz, der zunächst klarstellte: „Wir sollten die Debatte wenn möglich mit Sachkenntnis führen.“ Es war einer seiner staatstragenden Sätze, die sich jedoch immer wieder abwechselten mit temperamentvollen Beiträgen. „Nein, wir kommen mit der Technik nicht nach. Trotzdem müssen wir das menschenmögliche tun“, rief er erregt und mit rotem Kopf in die Runde. Durch die unglaubliche Veränderung der Kommunikationstechnik seien klassische Ermittlungsmethoden wie die Telefonüberwachung veraltet. „Entschuldigen Sie, wenn ich das mal leidenschaftlich sage.“ Die Polizei müsse aber auf dem neuesten technischen Stand sein. „Es macht keinen Sinn, einem Verbrecher, der mit dem Auto flüchtet, mit der Postkutsche hinterherzufahren“, so Wiefelspütz.

Seite 1:

„Verbrecher kann ich nicht per Kutsche jagen“

Seite 2:

Die Polizei in Bayern hat ganz klar Grenzen überschritten

Kommentare zu "„Verbrecher kann ich nicht per Kutsche jagen“"

Alle Kommentare
  • Danke, daß ihr die Veranstaltung ausgerichtet habt. Sie hat mir sehr gut gefallen. Was jetzt noch fehlt, ist daß ihr das Video in voller Länge auf YouTube zur Verfügung stellt. Ich danke schonmal im Voraus dafür! ;)

    Viele Grüße und Weitermachen!
    Peter Piksa

  • .
    Darf ich auch was dazu sagen, nicht viel ?


    Hoffentlich bleibt den Menschen zukünftig die Staatsform der Demokratie erhalten, wenn sie jemals Bestand hatte.

    Ansonsten sehe auf die Menschheit ein paar Probleme zu
    kommen. Nur ein paar.................Billionen Probleme.

    Man muß ja mit der Zeit gehen, Billionen sind nämlich heute IN, oder?
    .



  • Ich schließe mich an. Der Abend war gut. Ich hoffe, es foglen noch einige solcher Veranstaltungen.
    Wie kann ich mir das Video ansehen?
    Es gelingt mir nicht.
    Ich werde imemr nach einem Code gefragt?
    Gruß Margrit

  • Ich find' es beachtlich, wie viel Handelsblatt in der schriftlichen Ausführung von der Diskussion retten konnte, die durch Herrn Wiefelspütz mit unnützen, inhaltsleeren Politiker-Phrasen stark zerfaselt war.

    Es wäre besser, das Video bei Youtube hochzuladen; da funktioniert's wenigstens...

  • Danke für die Einladung! Wiefelspütz hat zwar die Funktionsfähigkeit der Verfassungsorgane betont und dabei eben auf jene öffentliche Debatte als Beleg hingewiesen, an der wir gestern Abend teilhaben konnten. Das Problem dabei: Die Debatte kommt immer erst dann, wenn Rechtsbrüche aufgedeckt werden und die Medien so erst davon erfahren. In der Politik hat sich leider keine Fraktion ernsthaft um Transparenz in dieser Frage bemüht.

    @Redaktion: Es wäre schön, wenn man den kompletten Mitschnitt noch online sehen könnte. Ja, der mag dann durchsetzt von einigen Politiksprech-Luftnummern sein, aber grundsätzlich fände ich es doch interessant - speziell für alle, die das nicht vor Ort sehen konnten.

  • Was soll die Diskussion um einen Staatstrojaner? Wer eine verbrecherische Ader hat, wird sich von jeglicher Online-Überwachung nicht beeindrucken lassen.

    Es gibt soooo viele Möglichkeiten, mit “Gleichgesinnten” zu kommunizieren, ohne dass der Verfassungsschutz davon etwas mitbekommt.

    Einfach mal das Semper-Video anschauen, wie man z. B. ganze Dateien in einem jpeg-Bild verstecken kann (http://www.sempervideo.de/?tag=jpeg).

    Oder man startet ein Linux-Betriebssystem von der CD und verschickt damit einen mit TrueCrypt verschlüsselten Container über ein offenes WLAN.

    Oder man kommuniziert über ein abgesichertes VPN-Netzwerk...

  • .
    Verbrechen ist eine Sache,
    aber was glaubst Du was ein sogenannter Verfassungsschutz sonst zu sehen bekommt?
    Als ganz kleines Beispiel auf einer angebl. gesicherten Verbindungen zwischen mir und meiner Bank.

    Wenn dien Gestapo damals solche Mittel gehabt hätte, hätten die den Krieg gewonnen. Ohne wenn und aber.
    .

  • .
    Ich möchte nicht wissen wieviel Geimdienste Weltweit wo überall zugriff haben. Deshalb habe ich immer Spaß daran die nötigen Schlagwörter zu liefern, damit ich Ihnen was erzähle kann.

    Und was machen sie?

    ZUHÖREN


    Und ich hab den Eindruck schon recht lange.
    Ich wünsche Ihnen noch recht lange Spaß daran.
    .

  • .
    Das erinnert mich immer so an Herr der Ringe,
    wenn der kleine immer seinen Ring anzieht.
    .

  • nett.

    Indes Ihr Herr Innenminister ist kein Herr der Ringe.
    Sondern lediglich ein gewählter Repräsentant.

    Das scheinen Sie wie er auch vergessen zu haben.

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