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Stabilitätsdebatte: Ökonomen verdammen US-Warnung vor zu viel Sparen

exklusiv Beim G20-Gipfel Ende dieser Woche prallen zwei ökonomische Denkschulen aufeinander: Barack Obama will die Weltkonjunktur unter Dampf halten und setzt auf Konjunkturstützen um jeden Preis. Angela Merkel will sparen. Wer wird den Streit gewinnen? Deutschland, meinen viele deutsche Ökonomen. Die USA dagegen steuerten mit ihrem Ausgabenverhalten auf griechische Verhältnisse zu.

Sparen oder Schuldenmachen? Quelle: dpa
Sparen oder Schuldenmachen? Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Führende Ökonomen in Deutschland haben den Sparkurs der Bundesregierung und die europäische Stabilitätskultur gegen Kritik, die vornehmlich aus den USA kommt, vehement verteidigt. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, drehte gar den Spieß um und warnte davor, der Schuldenpolitik der USA auch nur ansatzweise zu folgen. Frankreich und Deutschland seien die Ankervolkswirtschaften des Euros. „Schwächeln sie durch Überschuldung, dann ist der Euro erst recht in Gefahr - Griechenland lässt grüßen“, sagte Zimmermann Handelsblatt Online. „Dagegen bewegen sich die USA in ihrem Ausgabenverhalten auf griechische Verhältnisse zu, das ist kein gutes Referenzmodell.“

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Die Defizitkultur der USA habe die Welt überdies immer wieder in Krisenphasen geführt, erklärte Zimmermann. „Nur die Sonderrolle der USA aufgrund ihrer wirtschaftlichen Größe, politischen Stärke und ihrer wirtschaftlichen Dynamik ermöglicht ihr, diese Kultur auch länger zu pflegen, ohne von den Märkten dauerhaft abgestraft zu werden“, erläuterte der Ökonom. „Wo sonst sollte China seine längerfristig dringend benötigten Devisenreserven auch anlegen wollen?“

Ähnlich hart äußerte sich Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Barclays Capital. Mit Blick auf Äußerungen des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman, der im Handelsblatt vor einem Rückfall in die Rezession gewarnt hatte und deshalb der Welt zu mehr schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen riet, sprach Polleit bei Handelsblatt Online von „ökonomischen Irrlehren“, die, würde ihnen gefolgt, „ruinös für das Gemeinwesen“ wären. Die beklagte Wirtschafts- und Finanzmisere sei das Ergebnis chronischer Schuldenmacherei der Staaten, begleitet von einem „Geldschaffen aus dem Nichts“ durch die Zentralbanken, erläuterte der Ökonom. „Noch mehr Staatsverschuldung und noch mehr Geldvermehrung, wie Professor Krugman empfiehlt, kämen einer Politik gleich, die Öl ins Feuer gießt, um den Brand zu löschen.“

Auf dem G-20-Gipfel in Kanada will Deutschland die wichtigsten Industriestaaten und Schwellenländer zum baldigen Abbau ihrer Schulden ermahnen und für eine Besteuerung der Finanzbranche werben. Nötig sei ein abgestimmter Ausstieg aus den kostspieligen und zum Großteil schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen, hieß es am Dienstag in Berliner Regierungskreisen. Kanzlerin Angela Merkel verteidigte in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama das Sparpaket der Bundesregierung als notwendig und angemessen.

Als „verfehlt“ bezeichnete auch Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater die Kritik aus den USA an der deutschen Finanzpolitik und der europäischen Geldpolitik. „Ich halte die Ausrichtung der Geld- und Finanzpolitik in Europa gegenwärtig für angemessen, was auch die moderate Rücknahme der fiskalpolitischen Impulse ab dem kommenden Jahr einschließt“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Die USA können angesichts ihrer höheren langfristigen Wachstumsaussichten eine stärkere Verschuldung tragen als die Euro-Länder.“ Mit Blick auf Bundesbank-Chef Axel Weber, der auch dem EZB-Rat angehört, nannte Kater es „beruhigend, dass aus dem Europäischen Zentralbankrat auch eine Stimme der Vernunft dringt, welche vor den Stabilitätsgefahren warnt“. Gleichwohl verstehe er auch die Position der USA, die als Hauptleidtragender des außer Kontrolle geratenen Kreditzyklus Verbündete bei der Bewältigung der Folgen suchen.

  • 26.06.2010, 14:26 UhrAnonymer Benutzer: Peter Scholz

    [18] heinrich,
    die Medien? Verstehen Redakteure was sie veröffentlichen? bei der informationsflut nehmen sie was über den Ticker rein kommt. Recherchiert wird gelegentlich und Korrektur gelesen wird gar nicht. Wirtschaft ist nach herrschender Lehre ein Glaubensbekenntnis. Logik liegt mehr bei den Naturwissenschaften.
    Danke für das Lob.

  • 26.06.2010, 13:27 UhrAnonymer Benutzer: heinrich

    @ Peter Scholz:
    Meine volle Zustimmung.
    Hier bei uns übernehmen doch viele Kommentatoren einfach die von den Medien ausgegebenen Parolen, ohne die Dinge wirklich zu verstehen.

  • 25.06.2010, 15:30 UhrAnonymer Benutzer: oliver

    Die USA können angesichts ihrer höheren langfristigen Wachstumsaussichten eine stärkere Verschuldung tragen als die Euro-Länder.

    Und warum, bitte, sind die Wachstumssaussichten in den USA höher als in Europa? Grösstenteils wegen der höheren Verschuldung. Kausalität und buchhaltung, meine Herren. Das Mass der inlandsverschuldung ist gleichbedeutend mit dem (nominellen) finanziellen Wohlstand der bevölkerung - auf den Euro genau. im Gegensatz zu privater Verschuldung, bei welcher sich Schuldner und Gläubiger gegenüberstehen. Dies wird bei der Angstmacherei um die Staatsverschuldung immer vergessen.

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