Stabwechsel in Karlsruhe
Terroristenjäger im Visier

Generalbundesanwalt Nehm geht. Seine Nachfolgerin Monika Harms ist um das Amt nicht zu beneiden. Die designierte Chefanklägerin der Republik übernimmt eine Verfolgungsbehörde, die selbst zur Getriebenen geworden ist. Eine Reportage.

KARLSRUHE. Das Misstrauen hat einen festen Wohnsitz. In der Karlsruher Brauerstraße 30 kann jedermann beobachten, wie es aussieht, wenn Verfolger sich verfolgt fühlen. Eine dicke, hohe Mauern ummantelt das Gebäude, gespickt mit kleinen, undurchsichtigen Fenstern, die wie Schießscharten in den beige-grauen Wall eingelassen sind. Obenauf thront eine Hecke, immergrün und blickdicht.

Früher, als die Bundesanwaltschaft mitten in der Stadt residierte, war da noch Stacheldraht. Heute schützt der Staat seine Beschützer moderner, unauffälliger. In der Brauerstraße wirkt nichts abschreckend, unfreundlich, eher zurückhaltend, lauernd. So wie die Vorderseite des abgeschirmten Innenbaus, die sich nach innen wölbt, als weiche sie zurück vor jedem Neuankömmling.

Eine Architektur mit sanftem Defensivcharakter, aber immer noch eine Festung. Abhörsicher? Der Pförtner schaut ein wenig verdattert: „Na klar ist das hier abhörsicher.“

Vorsicht ist eben die Mutter der Porzellankiste. Die Bundesanwaltschaft, Sitz der obersten Ankläger der Republik, ist ein nüchterne, vorsichtige, wortkarge Behörde – ein perfektes Abbild ihres Chefs.

Seit mehr als zwei Jahren hat Generalbundesanwalt Kay Nehm keine großen Interviews mehr gegeben. Er scheint seine Gründe zu haben: eine missglückte Terroristenjagd, die teilweise zu Unrecht auf ihn zurückfällt, dazu massiver Fahndungsdruck der Bundesregierung sowie Kritik aus Politik, von Nachrichtendiensten und Gerichten. In diesem Monat geht Nehm, kurz nach seinem 65. Geburtstag, in Pension. Seine Nachfolgerin ist um das Amt nicht zu beneiden. Monika Harms, Richterin am Bundesgerichtshof, übernimmt eine angeschlagene Behörde.

Jene, die ihm, dem Spitzenjuristen aus Flensburg, nahe stehen, sagen, Nehm sei ein freundlicher, zurückhaltender Mensch mit einem trockenen Humor. Doch in letzter Zeit haben ihn nur wenige so erleben dürfen. „Immer, wenn er mich trifft“, erzählt ein Anwalt, der in Terroristenprozessen auf der anderen Seite stand, „versucht er krampfhaft, einen Gruß zu vermeiden.“

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