Städtebund befürchtet Verödung der Innenstädte
Opposition: Karstadt-Quelle muss Chefsache werden

Der CSU-Wirtschaftsexperte Johannes Singhammer hat ein Eingreifen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei der Sanierung des angeschlagenen Handelskonzerns Karstadt-Quelle gefordert. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle forderte, Schröder müsse die Lage im Einzelhandel zur Chefsache machen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) befürchtet nach der Entscheidung des Konzerns, sich von Dutzenden Warenhäuser zu trennen, eine Verödung vieler Innenstädte.

HB BERLIN. Singhammer sagte der „Bild“-Zeitung (Donnerstagausgabe): „Schröder muss Karstadt zur Chefsache machen, weil es um eine riesige Anzahl von Arbeitsplätzen geht.“ Brüderle betonte: „Der Bundeskanzler muss die Lage im Einzelhandel zur Chefsache machen. Wir brauchen sofort ein Notpaket für die gesamte Branche.“

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte Reuters TV am Mittwoch gesagt, er sei in Kontakt mit Karstadt-Quelle und gehe davon aus, dass keine abrupten Entscheidungen zu Lasten von Standorten und Arbeitnehmern gefällt würden. Die Bundesregierung stehe mit allen Instrumenten zur Verfügung, die sie habe.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring Eckardt hat vor überzogenen Erwartungen bei den Gesprächen zwischen der Bundesregierung und dem angeschlagenen Handelskonzern Karstadt-Quelle gewarnt. „Der Staat kann nicht einspringen“, sagte Göring-Eckardt am Donnerstag im ZDF. „Man wird nicht (...) dafür sorgen können, dass einfach Arbeitsplätze erhalten bleiben oder Ähnliches.“ Zwar werde es Gespräche mit dem Unternehmen geben. „Aber die Regierung wird nicht in das Management von KarstadtQuelle eingreifen können.“

Karstadt-Quelle hat am Dienstag einen radikalen Konzernumbau angekündigt, um seine Existenz zu sichern. Dabei will sich das Unternehmen von einem Großteil der Fachgeschäfte und Warenhäuser trennen. Verdi und Karstadt-Betriebsrat hatten erklärt, allein im Warenhausbereich seien 20 000 der 45 000 Beschäftigten direkt von den Einschnitten betroffen.

In der „Berliner Zeitung“ vom Donnerstag forderte DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Konzern auf, die Nachnutzungskonzepte für die einzelnen Warenhäuser mit den betroffenen Städten und Gemeinden abzustimmen. Landsberg sagte, gerade in kleineren Städten seien Kaufhäuser oft der zentrale Anlaufpunkt. „Wenn so ein Kaufhaus schließt und es gibt keine Nachfolgenutzung, dann hat das einen Verödungseffekt mit gravierenden Folgen nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Stadt“, sagte Landsberg.

Karstadt-Quelle-Chef Achenbach sagte der „Bild“-Zeitung, das Management würde in der derzeitigen Lage des Konzerns auf fünf oder zehn Prozent ihres Einkommens verzichten. „Man muss die Mitarbeiter weiterhin angucken können.“ Er hatte bereits bei der Bekanntgabe der Sanierungspläne einen teilweisen Gehaltsverzicht des Managements in Aussicht gestellt.

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