Deutschland

_

Städtebund für „flexible Lösungen“: Kommunen rütteln am Kita-Rechtsanspruch

exklusivDie Parteien streiten über das Betreuungsgeld, dabei wird es bald ein gravierenderes Problem geben. Der Kita-Rechtsanspruch kann nicht überall erfüllt werden. Die Kommunen haben eine Lösung, sofern die Politik mitspielt.

Kinder einer Kinderkrippe in Hannover. Quelle: dpa
Kinder einer Kinderkrippe in Hannover. Quelle: dpa

BerlinDer Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, plädiert dafür, den von Sommer 2013 an geltenden Rechtsanspruch auf Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren aufzuweichen. Er unterstützt damit eine Forderung der Städte in Baden-Württemberg, die sich dafür einsetzen, dass der Anspruch zunächst nur für zweijährige Kinder gilt und erst in einem nächsten Schritt auch auf einjährige Kinder ausgeweitet wird. „Die seitens des baden-württembergischen Städtetages geforderte Stufenlösung wäre ein richtiger Ansatz“, sagte Landsberg Handelsblatt Online.

Anzeige

„So könnte der Kita-Ausbau vorangetrieben und gleichzeitig der Gefahr begegnet werden, bei den betroffenen Eltern falsche Erwartungen zu schüren.“ Landsberg sagte allerdings auch, dass sich vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen im nächsten Jahr sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene wohl keine politischen Mehrheiten für eine schrittweise Einführung des Rechtsanspruchs finden würden.

Familienpolitische Leistungen und ihre Folgen

  • 195 Milliarden pro Jahr

    Die Förderung von Familie und Ehe lässt sich der Staat viel kosten. Die Förderung setzt sich aus 160 Einzelmaßnahmen zusammen und kostet nach den aktuellsten Zahlen 195 Milliarden Euro pro Jahr.

  • Kindergeld

    Für das Kindergeld zahlt der Staat jährlich gut 33 Milliarden Euro aus - hinzu kommen weitere drei Milliarden Euro steuerliche Familienförderung.

  • Ehegattensplitting

    Der Einnahmeverlust des Staates durch das Ehegattensplitting beläuft sich auf jährlich gut 20 Milliarden Euro. Vom Splitting profitieren sowohl Paare mit und ohne Kinder. Ökonomen kritisieren, das Ehegattensplitting biete Müttern einen Anreiz, eher weniger oder gar nicht zu arbeiten. Tatsächlich ist die Erwerbstätigenquote der Frauen in Deutschland relativ niedrig, und die durchschnittliche Teilzeit umfasst weit weniger Stunden als in den meisten anderen Industrieländern.
    Unter den 34 OECD-Staaten ist Deutschland das Land, das am stärksten auf Steuervergünstigungen setzt: Hier entfällt rund ein Drittel aller Familienleistungen darauf - im OECD-Schnitt sind es nur zehn Prozent.

  • Monetäre Leistungen

    Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung kosten den Staat 11,5 Milliarden, das Bafög für Studenten 1,6 Milliarden.

  • Krankenversicherung

    Die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung kostet jährlich rund 15 Milliarden Euro. Die Summe wurde bisher vom Bund erstattet, weil es sich um „versicherungsfremde Leistungen“ handelt.
    Die beitragsfreie Mitversicherung nichterwerbstätiger Ehegatten kostet weitere elf Milliarden Euro.

  • Elterngeld

    2011 gab der Staat dafür 4,7 Milliarden Euro aus.

  • Kitas

    Die Kinder- und Jugendhilfe kostete Bund, Länder und Gemeinden zuletzt rund 29 Milliarden Euro, fast 18 Milliarden davon entfielen auf die Kindertagesbetreuung.

Wie Landsberg hält auch der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (Grüne), eine Neujustierung des Kita-Rechtsanspruchs für sinnvoll. Für Tübingen habe das zwar keine Relevanz mehr, sagte Palmer Handelsblatt Online. Hier habe man eine Quote von 60 Prozent erreicht.  Vereinbart ist zwischen Bund und Ländern eine Quote von 35 Prozent. Aber, so Palmer: „Für die vielen Städte, die heute aber keine Chance mehr haben, die fehlenden Plätze zu schaffen, ist der Vorschlag sachgerecht und vermeidet sinnlose Prozesse.“ 

Bund und Länder hätten zu lange mit finanziellen Zusagen gewartet. „Erst seit einem Jahr ist das in Baden-Württemberg gut geregelt. Das war zu spät“, sagte Palmer.

Schröders Baustellen Streitfälle und Fehlschläge

  • Schröders Baustellen: Streitfälle und Fehlschläge
  • Schröders Baustellen: Streitfälle und Fehlschläge
  • Schröders Baustellen: Streitfälle und Fehlschläge
  • Schröders Baustellen: Streitfälle und Fehlschläge

Landsberg schlägt „flexible Lösungen“ vor, die sich kurzfristig umsetzen ließen. Hierzu gehöre beispielsweise die kurzfristige Vergrößerung der Gruppen, aber auch das vorübergehende Aussetzen von gewissen baulichen Standards. Zu den flexiblen Lösungen zähle er zudem, die Betreuung durch Tagespflegepersonal weiter auszubauen. „Nicht überall wird es möglich sein, einen Ganztagesplatz zu gewähren, und die Eltern müssen sich darauf einstellen, dass sie nicht überall den Wunschkitaplatz um die Ecke erhalten können“, sagte Landsberg. „Insofern erwarten die Kommunen von Eltern auch eine gewisse Flexibilität.“

  • 06.11.2012, 13:33 Uhrmargrit117888

    Eigentlich stimmt es doch, was Bischof Mixa mal sagte, dass Frauen sich selbst zu Gebährmaschinen degradieren.
    da kann man doch gleich den Lebensborn wieder einführen, Kind kriegen und ab damit
    Mann, mann wo driften wir hin?

  • 06.11.2012, 13:31 Uhrmargrit117888

    pedrobergerac
    Völlig richtig
    Das ist ja auch das, was Psychologen sagen

  • 06.11.2012, 13:28 Uhrmargrit117888

    netshadow
    Genau
    Ein Kleinkind unter Drei muß zuallerst einmal mütterliche liebevoll Zuwendung erhalten, ein Kind brauht Nestwärme. Ja, ich weiß, fürchterlich altmodisch, aber trotzdem immer noch gültig.
    Eine Schweizer Psychologin sagte mal "ein Kind ist wie ein Blumenableger, den topfen wir ein, gießen ihn regelmäßig und schauen jeden Tag nach, ob er schon gewachsen ist"
    Genau so ist es. Und was will unser Staat? Ab in die Staatserziehung, damit die Kinder nur ja keine feste familiäre Bindung mehr erhalten, sondern schon vom Staat auf links gedreht werden, damit sie polit. die Bürger werden, die der Staat will
    Was folgt denn als nächsgtes?
    Der Wehrkunde-Unterricht im letzten Kindergarten-Jahr?
    Eine alleinerziehende Mutter, die arbeiten muß, muß die Möglichkeit der Betreuung haben, aber alle andren sollten mal überlegen, was sie tun und ob Urlaub und Designerklamotten wirklich nötig sind
    "Gib Deinem Kind wenn es klein ist, starke Wurzeln und verleih ihm, wenn es größer wird, Flügel"
    Wurzeln in der KITA???????

  • Die aktuellen Top-Themen
2015: Wohngeld für Geringverdiener soll steigen

Wohngeld für Geringverdiener soll steigen

2009 wurde das Wohngeld zuletzt erhöht. Im kommenden Jahr soll es wieder so weit sein. Verantwortlich dafür: der geplante gesetzliche Mindestlohn. Dieser wird wohl für eine Zunahme der Wohngeldberechtigten sorgen.

Mit großer Mehrheit gewählt: Erdogan tritt bei Präsidentenwahl an

Erdogan tritt bei Präsidentenwahl an

Trotz Protesten und Korruptionsskandal hat die Regierungspartei AKP sich für Ministerpräsident Erdogan als Kandidat bei der direkten Präsidentenwahl ausgesprochen. Erdogan selbst gibt sich bisher noch unentschlossen.

Was kostet uns die Ukraine?: Die Rechnung, bitte!

Die Rechnung, bitte!

Die Ukraine steht mit dem Rücken zur Wand – nicht nur politisch, auch finanziell. Die EU und der IWF haben schnelle Hilfen zugesagt. Doch die Erfahrung zeigt: Das kann teuer werden.